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Deleted member 23363

  • #586
Mittelwert und Streuung

Ein Mensch, der von Statistik hört,
denkt dabei nur an Mittelwert.
Er glaubt nicht dran und ist dagegen,
ein Beispiel soll es gleich belegen:

Ein Jäger auf der Entenjagd
hat einen ersten Schuß gewagt.
Der Schuß, zu hastig aus dem Rohr,
lag eine gute Handbreit' vor.

Der zweite Schuß mit lautem Krach
lag eine gute Handbreit' nach.
Der Jäger spricht ganz unbeschwert
voll Glauben an den Mittelwert:
Statistisch ist die Ente tot!

Doch wär er klug und nähme Schrot
- dies sei gesagt ihn zu belehren -
er würde seine Chancen mehren:
Der Schuß geht ab, die Ente stürzt,
weil Streuung ihr das Leben kürzt!

P.H. List
 
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  • #588
Es gab eine Frau mal in Sachsen,
die wollte die Härchen sich wachsen,
sie nahm ein paar Kerzen,
ertrug alle Schmerzen
und sah nicht mehr aus wie erwachsen.
 
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  • #591
Abend



Über die Felder weht zitternd die Luft,
Am grünlichen Himmel weiße Sterne,
Der kraftvollen, schwarzbraunen Erde Duft,
Ein verhallender Glockenschlag in der Ferne.
Weit hinten glitzert gespenstisch das Meer,
Mir ist, als lockt es, um mich zu fangen.
Eine Möwe fliegt kreischend hin und her –
Mehr kann man doch wirklich nicht verlangen.
Und verzweiflungsvoll stehe ich an der Küste,
Wenn ich doch bloß eine Pointe wüßte.

Kurt Tucholski
 
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Deleted member 23363

  • #592
Kleines Solo

Einsam bist du sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine.
Kennst das Leben. Weißt Bescheid.
Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Wünsche gehen auf die Freite.
Glück ist ein verhexter Ort.
Kommt dir nahe. Weicht zur Seite.
Sucht vor Suchenden das Weite.
Ist nie hier. Ist immer dort.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Sehnsucht krallt sich in dein Kleid.
Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren.
Magst nicht bleiben, wer du bist.
Liebe treibt die Welt zu Paaren.
Wirst getrieben. Mußt erfahren,
daß es nicht die Liebe ist ...
Bist sogar im Kuß alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine.
Brauchtest Liebe. Findest keine.
Träumst vom Glück. Und lebst im Leid.
Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

(Erich Kästner)
 
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Deleted member 24797

  • #593
Wandlung

Einsamkeit
ist die Mauer
in uns drin
unterkühlt die Herzenswärme
lässt uns erstarren

Traurigkeit
will zu Tränen werden
zum Loslassen dessen
das nicht sein konnte
das nicht sein wird

Schmerz
wenn du ihn nicht mehr fliehst
sondern deinem Schatten entgegensiehst
lässt abfallen
von der Mauer
einen Stein nach dem andern

Wunden
wenn du sie annehmen kannst
hören auf
dein Leben zu bestimmen
transformieren sich
vielleicht
langsam
ohne dass du die Absicht hättest
in einen Erfahrungsschatz

Narben
bleiben
doch sie ermöglichen
dein tiefes Verständnis
für andere

Dankbarkeit
wird spürbar
dafür
überlebt zu haben
und für alle Wunder
des Lebens
wie klein
sie auch scheinen mögen

Vertrauen
kann wachsen
und das Herz öffnen
uns dazu bewegen
anderen
die Hand zu reichen

Glück
ist plötzlich da
unverhofft
wie ein Sonnenstrahl
ganz hell
der durch die Gewitterwolken
bricht

Liebe
kannst du nun
jederzeit
leben
mit allen
um dich herum
ganz einfach
es braucht nur
deinen Entscheid dazu
immer wieder

Zuversicht
erstarkt
dafür
irgendwann auch
den für dich bestimmten
Menschen
zu finden
 
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Deleted member 23363

  • #594
Wandlung

Einsamkeit
ist die Mauer
in uns drin
unterkühlt die Herzenswärme
lässt uns erstarren

Traurigkeit
will zu Tränen werden
zum Loslassen dessen
das nicht sein konnte
das nicht sein wird

Schmerz
wenn du ihn nicht mehr fliehst
sondern deinem Schatten entgegensiehst
lässt abfallen
von der Mauer
einen Stein nach dem andern

Wunden
wenn du sie annehmen kannst
hören auf
dein Leben zu bestimmen
transformieren sich
vielleicht
langsam
ohne dass du die Absicht hättest
in einen Erfahrungsschatz

Narben
bleiben
doch sie ermöglichen
dein tiefes Verständnis
für andere

Dankbarkeit
wird spürbar
dafür
überlebt zu haben
und für alle Wunder
des Lebens
wie klein
sie auch scheinen mögen

Vertrauen
kann wachsen
und das Herz öffnen
uns dazu bewegen
anderen
die Hand zu reichen

Glück
ist plötzlich da
unverhofft
wie ein Sonnenstrahl
ganz hell
der durch die Gewitterwolken
bricht

Liebe
kannst du nun
jederzeit
leben
mit allen
um dich herum
ganz einfach
es braucht nur
deinen Entscheid dazu
immer wieder

Zuversicht
erstarkt
dafür
irgendwann auch
den für dich bestimmten
Menschen
zu finden
Danke!:rolleyes:
 
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  • #595
Es war einmal ‚ne Wüste,
die rannte schnell und düste,
weil Trockenheit war ihr ‚ne Pein
sie wollte einfach feuchter sein
zum Baumarkt hin, dort fragte sie
nach Linderung, es war bei „Obi“.
 
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Deleted member 23363

  • #596
Kleines Beispiel

Auch ungelebtes Leben geht zu Ende
zwar vielleicht langsamer wie eine Batterie
in einer Taschenlampe

Aber das hilft nicht viel:
Wenn man (sagen wir einmal)
diese Taschenlampe
nach so- und so vielen Jahren anknipsen will
kommt kein Atemzug Licht mehr heraus
und wenn Du sie aufmachst
findest Du nur Deine Knochen
und falls Du Pech hast auch diese
schon ganz zerfressen

Da hättest Du genau so gut
leuchten können

(Erich Fried)
 
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  • #597
Lieben

I.
Und wie mag die Liebe dir kommen sein?
Kam sie wie ein Sonnen-, ein Blütenschein,
kam sie wie ein Beten? – Erzähle:

Ein Glück löste leuchtend aus Himmeln sich los
und hing mit gefalteten Schwingen groß
an meiner blühenden Seele….

II.
Das war der Tag der weißen Chrysanthemen, –
mir bangte fast vor seiner schweren Pracht…
Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen
tief in der Nacht.

Mir war so bang, und du kamst lieb und leise, –
ich hatte grad im Traum an dich gedacht.
Du kamst, und leis wie eine Märchenweise
erklang die Nacht….
(Rainer Maria Rilke)
 

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  • #598
Das ist sehr berührend, es klingt jedoch auch sehr privat.
Also schweige ich weiterhin staunend und diskret.
 
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  • #600
Das ist sehr berührend, es klingt jedoch auch sehr privat.
Also schweige ich weiterhin staunend und diskret.
ja, sehr berührend....den mag ich gern :)

Hätte ich!
Hätte ich gewusst wie süß du lachst.
Niemals hätte ich dich angesehen.
Das du so ein Feuer tief in mir entfachst,
dass wird niemals mehr vergehen.

Hätte ich geahnt wie deine Haut sich anfühlt,
Ich hätte dich niemals berührt.
Nie hat mich eine Berührung so aufgewühlt,
Niemals zuvor so etwas Zartes gespürt.

Hätte ich vermutet wie dein süß dein Duft.
Zu atmen hätte ich sofort aufgehört.
Denn im Bann deiner Atemluft,
war ich wie im Rausch betört

Hätte ich gespürt wie sehr du liebst.
Ich hätte mich von allem los gerissen.
Denn wenn du liebst, du alles von dir gibst.
Das alles werde ich für immer vermissen.