Voldemort

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  • #31
Hallo zusammen,
Der schmerzhafte Blick in die Kernfamilie - bin bisher nie bis dahingekommen, es war immer zu schwer. Wie wenn man sich über ein wackeliges Geländer beugt, um in den Abgrund zu schauen, und dann schaudernd zurückweicht. In der Therapie wollte ich immer lieber über meine Männer reden oder das stressige Online Dating oder die anstrengende Situation als Alleinerziehende, die Situation im Job...es gab immer Sachen, die mir mehr auf den Nägeln brannten. Dabei wusste ich eigentlich, ich müsste da mal tiefer schürfen, aber es war zu schwer. Nun zwingen mich die aktuellen Umstände dazu, da mal wieder hinzugucken: eins meiner Kinder ist schwer psychisch erkrankt. Und weil ich zwar keine "Tiger Mum", aber schon aus vollem Herzen Muttertier bin, versuche ich jetzt, für das Kind zu schaffen, was ich für mich selbst nicht geschafft habe. Vielleicht, denke ich mir, rettet es uns ja beide. Und mit einer stabilen Beziehung im Rücken und einem unterstützenden Partner ist es ja vielleicht diesmal auch was anderes als damals. Doch ich merke, wie hoch die Anspannung bei mir ist, das Ringen um Souveränität, eine erwachsene Rolle, die Selbstbehauptung gegenüber meinem Vater und meinem Exmann...der ganze Bodensatz, der aufgewühlt wird. Jaja, die Krise als Chance - aber ich würde wieder am liebsten wegrennen, wenn meine Knie nicht schon Wackelpudding wären. Es ist so (zu?) schwer. Aber es muss sein jetzt, diesmal. Für das Kind. Wie ist das bei Euch? Stellt Ihr Verbindungen her, z. B. was die Beziehung zu Mutter oder Vater mit Eurer Partnerwahl zutun hat? Kennt Ihr das lähmende Gefühl, dass es eine riesige Kraftanstrengung ist, "anders abzubiegen", das heißt, die Geschichte der Kernfamilie nicht zu wiederholen? Welches Narrativ oder welche Glaubenssätze gibt es in Eurer Kernfamilie? Bei uns kann es zum Beispiel passieren, dass der alte Patriarch und Ex-Lehrer den drohenden Zeigefinger gegen seine beiden Ü50 Töchter erhebt und ihnen grimmig zuruft "Eure Kindheit war schön. Merkt Euch das!".
Es tut mir sehr leid, dass es deinem Kind nicht gut geht. Wir hatten ähnliche Probleme mit unserer Mittleren und in deren Freundeskreis. Ganz unterschiedliche Familien, kulturelle Hintergründe, Einzelkinder, Geschwisterkinder.. und es ist zum Teil noch nicht vorbei. Die Ursachen sehe ich, und auch viele Andere wie Therapeuthen, aber nicht in irgendwelchen Altlasten der Eltern, kommt teils dazu, sondern in der verheerenden Zeit der Isolation der Kinder. Wir wohnen allerdings in einem Bundesland, dass die Maßnahmen lieber auf die Spitze getrieben hat statt aus dem ersten Lockdown zu lernen. War für die Kinder katastrophal.

Was Altlasten angeht, denke die hat jeder. Mir half zum Frieden finden uA die Erkenntnis, dass es unsere Eltern und Großeltern noch schlimmer hatten. Jeder hat seine Geschichte, macht Fehler usw. Meine Eltern schafften kaum irgendwas zu reflektieren. Waren aber schon besser als die Großeltern, ist einfach so. Wir haben heute viel mehr Möglichkeiten, uns zu informieren, was gut für Kinder ist und was nicht (ganz vereinfacht gesagt). Diese gab es früher nicht. Was die Alten gesagt und gemacht haben war immer richtig 🙄 und durfte nicht hinterfragt werden. Dass bröckelt schon lange, aber unsere Eltern haben das teilweise noch verinnerlicht.

Was will ich sagen, ich kenne meine geerbten und anerzogenen Schwachstellen und habe dagegen gearbeitet, war nicht immer leicht. Aber ich muss mich da nicht mit den Anderen auseinandersetzen, sie wußten es nicht besser damals, wir schon, also können wir es besser machen. Beispiel Ohrfeigen, viele habe ich nicht kassiert aber die meisten nicht vergessen. Also habe ich mir geschworen das nie zu tun. Heißt, ich blicke nicht auf die Kernfamilie, was die mir mitgegeben haben an Altlasten, also auf mich, sondern auf das, was ich auf keinen Fall weitergeben wollte. Und sei es nur so ein Schwachsinnsspruch „so lange du die Füße unter meinen Tisch…“ na du weißt schon.

Wenn du die Aufarbeitung für dich brauchst mach es, ansonsten hör auf deinen Bauch , und auf dein Kind. Wenn sie nicht gerade auf Krawall gebürstet sind sind auch Pubertisten kluge Diskussionspartner. Momentan zumindest. Die Therapeuthin deines Kindes wird dir sagen, woran du arbeiten solltest, es hilft keinem, wenn du dich jetzt zerfleischst. Ob das jetzt sein muss, weil da Probleme auch ursächlich sind für Schwierigkeiten, die dein Kind gerade hat.

Manche Dinge kann man tatsächlich abhaken, wenn man sich nicht so auf die Vergangenheit konzentriert. Alles Gute für dich und dein Kind!

Ah Sorry, etwas viel, hab das gerade schnell runtergeschrieben , muss los jetzt, hoffe es ist nicht allzu wirr.
 
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Claudi

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  • #32
@lila_lila: Solche Stress Situationen mit meinem Vater können sowohl live als auch am Telefon passieren. Meistens geht es um Kontrolle. Er versucht, das Informationsmonopol in unsere Familie zu halten, d.h. er hat inquisitorische Fragetechniken drauf, mit denen er einen dazu bringen kann, Sachen preiszugeben, die man ihm nicht sagen wollte. Es ist ihm überhaupt nicht recht, wenn meine Schwester und ich uns z.B. untereinander austauschen. Er will uns am liebsten isolieren und der einen die Infos über die andere zutragen. Dabei säht er dann auch Zwietracht und kann gemein und manipulativ sein. Das geht nicht persönlich gegen eine von uns, es ist eher das Ringen darum, der Ober Mäc zu bleiben. Je älter er wird, desto durchsichtiger werden diese Moves und ich dachte, da muss man doch drüber stehen und sich das milde lächeln anschauen. Aber so ist es nicht. Ich bin total unentspannt dann und ruckzuck auf der Palme. Und mitzi hat auch recht, ich möchte natürlich eine gute Tochter sein, und so wahnsinnig viel Zeit haben wir nicht mehr zusammen, da möchte man doch keinen Ärger machen. Aber um ehrlich zu sein: 24 h ist das Maximum bei Besuchen. Danach steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es knallt, rapide. Eine ganz schlimme Technik ist auch die "Verbrüderung" mit meinem Ex. "Wenn Du mir das nicht sagst, rufe ich eben S. an..." Macht er dann auch. Kann auch mitten in der Nacht sein.
 

Voldemort

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  • #33
@lila_lila: Solche Stress Situationen mit meinem Vater können sowohl live als auch am Telefon passieren. Meistens geht es um Kontrolle. Er versucht, das Informationsmonopol in unsere Familie zu halten, d.h. er hat inquisitorische Fragetechniken drauf, mit denen er einen dazu bringen kann, Sachen preiszugeben, die man ihm nicht sagen wollte. Es ist ihm überhaupt nicht recht, wenn meine Schwester und ich uns z.B. untereinander austauschen. Er will uns am liebsten isolieren und der einen die Infos über die andere zutragen. Dabei säht er dann auch Zwietracht und kann gemein und manipulativ sein. Das geht nicht persönlich gegen eine von uns, es ist eher das Ringen darum, der Ober Mäc zu bleiben. Je älter er wird, desto durchsichtiger werden diese Moves und ich dachte, da muss man doch drüber stehen und sich das milde lächeln anschauen. Aber so ist es nicht. Ich bin total unentspannt dann und ruckzuck auf der Palme. Und mitzi hat auch recht, ich möchte natürlich eine gute Tochter sein, und so wahnsinnig viel Zeit haben wir nicht mehr zusammen, da möchte man doch keinen Ärger machen. Aber um ehrlich zu sein: 24 h ist das Maximum bei Besuchen. Danach steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es knallt, rapide. Eine ganz schlimme Technik ist auch die "Verbrüderung" mit meinem Ex. "Wenn Du mir das nicht sagst, rufe ich eben S. an..." Macht er dann auch. Kann auch mitten in der Nacht sein.
Gut das ist echt übel, sprichst du das an?
 

tina*

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  • #34
d.h. er hat inquisitorische Fragetechniken drauf, mit denen er einen dazu bringen kann, Sachen preiszugeben, die man ihm nicht sagen wollte.
Wenn du das weißt, kannst du doch gegensteuern?
Es ist ihm überhaupt nicht recht, wenn meine Schwester und ich uns z.B. untereinander austauschen.
Wieso weiß er das bzw. "muss" er das wissen?
ich möchte natürlich eine gute Tochter sein,
Warum "natürlich"? Und was ist für dich "eine gute Tochter"?
Die keine eigene Meinung hat? Die immer einknickt?
und so wahnsinnig viel Zeit haben wir nicht mehr zusammen, da möchte man doch keinen Ärger machen.
Hm. Und du?
Eine ganz schlimme Technik ist auch die "Verbrüderung" mit meinem Ex. "Wenn Du mir das nicht sagst, rufe ich eben S. an..." Macht er dann auch. Kann auch mitten in der Nacht sein.
Was stört dich genau daran? Er (Vater) blamiert sich doch, und mit deinem Ex bist du durch (?).
 

Claudi

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  • #37
Guten Morgen, ich wollte schon mal ein großes Dankeschön loswerden für die guten Hinweise, Eure Empathie und den Erfahrungsaustausch. Ich versuche noch, ausführlich darauf einzugehen, sobald ich mehr Zeit habe. Auf jeden Fall ist das bis hierher schon sehr hilf- und aufschlussreich.
 
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Julianna

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  • #38
Doch ich merke, wie hoch die Anspannung bei mir ist, das Ringen um Souveränität, eine erwachsene Rolle, die Selbstbehauptung gegenüber meinem Vater und meinem Exmann...
Gut, dass du damit angefangen hast. Das ist der richtige Weg und das "Leiden" geht wieder vorbei. Es ist eben ein Prozess.
Die Begrifflichkeit "erwachsene Rolle" habe ich fett markiert. Weil es das im Kern ist. Menschen sind nicht auf dem Papier plötzlich erwachsen, weil sie "alt" werden oder geworden sind. Da draußen rennen ne Menge Menschen herum, die nie wirklich erwachsen geworden sind. Sie verdrängen Probleme, suchen die Fehler in den Umständen oder bei anderen. Sie können nicht für sich einstehen, aber schieben anderen "Schuld" zu. Gefangen in einer Art kindlicher Egozentrik. Es fällt ihnen schwer "Eigenverantwortung" zu übernehmen, deswegen sind auch immer die anderen "schuld" oder "verantwortlich".
 
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lila_lila

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  • #39
@lila_lila: Solche Stress Situationen mit meinem Vater können sowohl live als auch am Telefon passieren. Meistens geht es um Kontrolle. Er versucht, das Informationsmonopol in unsere Familie zu halten, d.h. er hat inquisitorische Fragetechniken drauf, mit denen er einen dazu bringen kann, Sachen preiszugeben, die man ihm nicht sagen wollte. Es ist ihm überhaupt nicht recht, wenn meine Schwester und ich uns z.B. untereinander austauschen. Er will uns am liebsten isolieren und der einen die Infos über die andere zutragen. Dabei säht er dann auch Zwietracht und kann gemein und manipulativ sein. Das geht nicht persönlich gegen eine von uns, es ist eher das Ringen darum, der Ober Mäc zu bleiben. Je älter er wird, desto durchsichtiger werden diese Moves und ich dachte, da muss man doch drüber stehen und sich das milde lächeln anschauen. Aber so ist es nicht. Ich bin total unentspannt dann und ruckzuck auf der Palme. Und mitzi hat auch recht, ich möchte natürlich eine gute Tochter sein, und so wahnsinnig viel Zeit haben wir nicht mehr zusammen, da möchte man doch keinen Ärger machen. Aber um ehrlich zu sein: 24 h ist das Maximum bei Besuchen. Danach steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es knallt, rapide. Eine ganz schlimme Technik ist auch die "Verbrüderung" mit meinem Ex. "Wenn Du mir das nicht sagst, rufe ich eben S. an..." Macht er dann auch. Kann auch mitten in der Nacht sein.

Die letzte vermutlich, weil sie funktioniert... Und ja, hoch manipulativ.

Ich habe von einem Psychologen im Blog mal eine Methode gelesen die dabei helfen soll, Eltern und andere umzuerziehen. Schau mal, ob das in dieser oder einer abgewandelten Form etwas für dich sein könnte

Du sagst (noch) ein einziges mal laut und deutlich was dich stört, sofort wenn es dich stört, in der ich-form. Und danach, wenn es sich wiederholt ignorierst du es einfach. Aber ohne vorwürfe oder erinnerungen oder jammern wie "ich habe dich doch gebeten", "nicht schon wieder" etc. etc.

Wenn ihr zum Beispiel telefoniert und dein Vater will was wissen und zieht die Ex-Karte, dann verabschiedest du dich höflich aber sofort und bestimmt unter einem Vorwand. Sowas wie "die milch kocht über", "es klingelt an der Tür ich muss da ran, tschüss" Völlig egal wie abstrus. Hauptsache du sagst es und legst auf. Fertig.
In persönlichem Konktakt einfach stumpf nicht darauf reagieren. Aus dem Zimmer gehen, auf Toilette gehen, ganz gehen, sagen dass die Wand mal wieder einen neuen Anstrich braucht. Egal was, aber DU brichts ab. Und das Konsequent jedesmal wenn die Schiene kommt. Dauert in etwa 2-3 Monate bis die jenigen was begreifen und ihr Verhalten ändern. Und ja, der Psychologe hat auch von ganz harten Fällen berichtet, wo der Manipulator den Kontakt abbricht. Worst case, kam in seiner Praxis sehr selten, aber doch mal vor. Muss man vorher wissen ob man im allerschlimmsten Fall dazu bereit ist.
 
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  • #40
Wenn ihr zum Beispiel telefoniert und dein Vater will was wissen und zieht die Ex-Karte, dann verabschiedest du dich höflich aber sofort und bestimmt unter einem Vorwand. Sowas wie "die milch kocht über", "es klingelt an der Tür ich muss da ran, tschüss" Völlig egal wie abstrus. Hauptsache du sagst es und legst auf. Fertig.
Geht ja gar nicht. Bei einer Drohung und Erpressung durch den Vater auch noch aus Not zu lügen beginnen. Nene.
Ein knackiges "So nicht, werter Vater" und auflegen. Punkt
 
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lila_lila

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  • #41
Geht ja gar nicht. Bei einer Drohung und Erpressung durch den Vater auch noch aus Not zu lügen beginnen. Nene.
Ein knackiges "So nicht, werter Vater" und auflegen. Punkt
Doch das geht sehr gut und funktioniert.
"So nicht" wird als Gegenwehr wahrgenommen. Und erzeugt was? Noch mehr Manipulation. Es bleibt dann beim gewohnten Muster.

"Ich muss ganz dringend weg" oder ähnliches (es muss ja nicht die Milch sein) wird den Manipulator beim 4, 5, 6, mal stutzig machen und ihn zum nachdenken bzw. zum lernen bringen. Er wird merken, dass anschneiden vom Thema x einfach nicht funktioniert und es dann irgendwann lassen.

Das ist auch kein notlügen, das ist brechen und umerziehen von Verhaltensmustern.
 
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Claudi

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  • #42
Ich finde die Idee von lila_lila gut und würde das auch nicht als Notlüge bezeichnen. Ich verstehe es eher als abrupten Themenwechsel, der das "Nicht mit mir" markiert. Die etwas subtilere Version von: Handfläche entgegenstrecken, Gesicht abwenden und "Sprich mit der Hand." sagen, wie es meine Kinder untereinander gemacht haben.
Eine normale Abgrenzung reicht jedenfalls nicht. Versucht habe ich vor Kurzem am Telefon mal "Du respektierst meine Grenzen nicht. Ich möchte das Gespräch jetzt beenden." Hat überhaupt nicht funktioniert, vermutlich weil das erste keine Ich-Botschaft war und das zweite schon wieder zu lasch formuliert. Klare Ansage ist wirklich gar nicht so einfach. Und muss dann ja noch zackig klappen, wenigstens drauf ankommt.
 
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Claudi

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  • #43
Beispiel Ohrfeigen, viele habe ich nicht kassiert aber die meisten nicht vergessen.
Kenn ich. Die von meiner Mutter in therapeutischer Absicht waren am schlimmsten. "Kind, Du bist ja hysterisch."- Patsch. Hat mir glaube ich nicht geholfen, meine Emotionen besser zu kontrollieren. Wenn man sich nur nicht traut, weiter zu heulen oder zu schreien, weil man Angst vor der nächsten hat. Das Gefühl war so schrecklich, das ich nie die Hand gegen eins meiner Kinder erhoben hätte. Für meine Mutter muss die Methode aber äußerst wirkungsvoll ausgesehen haben. Das Kind war schlagartig still. Und sie machte es ja auch nur aus medizinischer Notwendigkeit. Was für eine verpasste Chance, was hätte man an besseren und weniger schmerzhaften Bewältigungsstrategien lernen können. Das ist bis heute eine meiner Schwächen, auch wenn es eine ist, die man mit Altersgelassenheit gut bearbeiten kann. Da geht noch was. Ich raste heute sehr viel seltener aus. Vor allem noch im Vodafone Shop. Da habe ich aber am Nebentisch auch schon andere in die Tischkante beißen sehen. Vielleicht kann ich da noch eine persönliche Challenge draus machen.
 

Claudi

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  • #44
Mein jüngerer Sohn sagte einmal zu mir: "Mama, du suchst Dir immer die Männer aus, die Dich kaputt machen wollen. (Nachsatz : das wollte der Opa schon)."
Hallo LenaamSee,
man kann manchmal nur staunen, zu was für Analysen der Nachwuchs fähig ist. Wie alt war Dein Sohn denn da? Offenbar hast Du Dich aber nicht kaputt machen lassen. Oder wieder zusammengesetzt. Resilienz entsteht auch und vor allem durch überstandene Krisen, hat mir meine große Tochter gerade aus ihrer Facharbeit vorgelesen. Man hat sie nicht einfach oder eben nicht.
Hm. Das heißt, man erwirbt sie durch das, wofür man sie eigentlich schon dringend bräuchte. Das kann schon auch hart sein erstmal.
 

IPv6

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  • #45
"So nicht" wird als Gegenwehr wahrgenommen. Und erzeugt was? Noch mehr Manipulation. Es bleibt dann beim gewohnten Muster.
Genau. Grenzen setzen und durchsetzen.
Das ist auch kein notlügen, das ist brechen und umerziehen von Verhaltensmustern.
Das Umerziehen von einem 60, 70, 80 jährigen Vater ist in der Regel vollkommen unrealistisch. Ausnahmen wird es geben.

Mir hat eine Therapeutin mehrmals gesagt "Herr X, Ihr Vater wird sich nicht mehr ändern, verabschieden sie sich von dieser Vorstellung."

Mein Vater hat mir jahrzehntelang in mein Universum gekackt, bis ich ihn rausgeschmissen habe. Das war nicht einfach, Es gab zahlreiche anklagende und verstörende Briefe an mich. Meine Antworten hat er nicht verstanden. Ich habe nicht seinem Wertesystem entsprochen. Nach einigen Jahren Kontaktabbruch und zahlreichen Therapiestunden habe ich einen Umgang damit gefunden und versucht den Kontakt wieder aufzubauen.
Er hatte es immer noch nicht verstanden und konnte auch seine eigenen Anteile nicht erkennen. Mittlerweile haben wir lockeren Kontakt; sehr oberflächlich auf Familienfesten; ich glaube nicht, dass er mir verziehen hat, es mir aber auch egal; ich bin mit mir im Reinen und kann mit nun mit seiner Art umgehen ohne dass ducken und kuschen muss.
 
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mitzi

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  • #46
@Claudi
ich finde es total nett, wozu deine Offenheit hier führt. :)
 
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tina*

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  • #47
Ich habe von einem Psychologen im Blog mal eine Methode gelesen die dabei helfen soll, Eltern und andere umzuerziehen.
Hat er es wirklich so genannt? Umzuerziehen? Das fände ich als Denkansatz seltsam.
Ich glaube, dass andere Menschen von mir genauso wenig umerzogen werden wollen wie ich von ihnen. 🤔
Meiner Meinung nach geht es dabei entweder um Annahme oder Abgrenzung (oder die Kombi ;)). Und Konsequenz. Als Haltung.

Es ist wohl auch ein bisschen davon abhängig, wie man sich Beziehung vorstellt (Threadthema).
Will ich mich beziehen? Oder nicht? Warum will ich den Kontakt, wenn ich mich nicht beziehen will? Will ich nur "bestimmen"? Soll der Kontakt nur unter "meinen Bedingungen" laufen? Kann ich den anderen als anders annehmen? In seinem So sein akzeptieren? Kann ich sagen, was ich will? Wenn nein, was könnte dabei helfen? Kann ich sagen, was ich nicht will? Wenn nein, was könnte dabei helfen? Was ist meine größte Befürchtung? Was ist mein heimlicher Wunsch? Wäre es schlimm, wenn mal ein halbes Jahr (oder länger) Sendepause wäre? Wenn ja, für wen?

Immer wieder: was erwarte ich von dem Kontakt? Wenn wir uns "eigentlich" nichts zu sagen haben?

Schau mal, ob das in dieser oder einer abgewandelten Form etwas für dich sein könnte
Bestimmt gute Ansätze. Nach Klärung des Anliegens ;).
 

tina*

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  • #48
Was für eine verpasste Chance, was hätte man an besseren und weniger schmerzhaften Bewältigungsstrategien lernen können.
Wie sieht sie es denn heute (sofern noch möglich)? Könnt/ konntet ihr euch als Erwachsene darüber austauschen? Welche Erfahrungen hatte sie als Kind damit? Vielleicht hat ja über die Generationen schon Bewältigung stattgefunden. 🤷‍♀️
 

ICQ

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  • #49
Wie ist das bei Euch? Stellt Ihr Verbindungen her, z. B. was die Beziehung zu Mutter oder Vater mit Eurer Partnerwahl zutun hat?
Das nicht, aber ich finde auffällige Ähnlichkeiten bei der alllgemeinen Lebenssituation in der Kindheit/Jugend, die das Mindset beeinflusst haben und von Beginn an für eine große Vertrautheit sorgen.

Kennt Ihr das lähmende Gefühl, dass es eine riesige Kraftanstrengung ist, "anders abzubiegen", das heißt, die Geschichte der Kernfamilie nicht zu wiederholen?
Mein Vater ist mir in vielen Dingen ein gutes Vorbild, aber wenn ich etwas anders machen wollte, dann habe ich das bisher ohne besondere Schwierigkeiten gemacht.

Welches Narrativ oder welche Glaubenssätze gibt es in Eurer Kernfamilie? Bei uns kann es zum Beispiel passieren, dass der alte Patriarch und Ex-Lehrer den drohenden Zeigefinger gegen seine beiden Ü50 Töchter erhebt und ihnen grimmig zuruft "Eure Kindheit war schön. Merkt Euch das!".
Interessante Frage. Da fällt mir spontan nicht wirklich etwas ein.

Es ist sicherlich interessant, die Ursachen für bestimmte Prägungen zu suchen und zu kennen. Wenn es darum geht, Dinge künftig anders zu handhaben, als man es bisher gewohnt war, ist der Weg dahin unabhängig von der Ursache.

Die Defizite der Eltern haben auch Ursachen. Die können mit Defiziten von deren Eltern zusammenhängen. Die individuellen Lebensumstände der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern müssen auch mitbedacht werden.

Die Generation unserer Eltern kannte beispielsweise noch so Themen wie Flucht, Vertreibung, Hunger, Kriegstraumata etc. nebst all dem was solche Dingen mit bzw. aus den Mitmenschen machen können.

Wenn euer Vater sagt: "Eure Kindheit war schön. Merkt Euch das!" dann hängt daran vermutlich unausgesprochen "verglichen mit meiner eigenen.".

Auch stehen dir modernere Erkenntnisse und Möglichkeiten zur Verfügung als vorangegangenen Generationen. Die können sagen, sie wussten es nicht besser. Wir werden damit vor unseren Kindern nicht bestehen können.
 
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Megara

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  • #50
Wie ist das bei Euch? Stellt Ihr Verbindungen her, z. B. was die Beziehung zu Mutter oder Vater mit Eurer Partnerwahl zutun hat? K
Ja das habe ich zwangsweise vor Jahren gemacht.
Da gibt es Hinweise.Meine Jugendliebe war so ziemlich das Gegenteil von meinem Vater.Ich glaube das war mir bewusst und gewünscht.
Wie das so ist mit Extremen, hat es nicht dauerhaft geklappt, vielleicht wenn ich 10 Jahre älter gewesen wäre.
Dummerweise war mir das damals nicht klar und ich habe mit meinem ersten Ehemann, doch wieder einen ähnlichen Typ (wie mein Vater ) gewählt.
Dauert halt bis man sich solcher Entscheidungen bewusst wird.


Insgesamt habe ich im Laufe der Jahre gemerkt, dass beide Elternteile teilweise" fröhliche Urständ in mir feiern".
Damit konnte ich leben.Meine Kinder haben das oft, spöttisch oder kritisierend, festgestellt.Dann wusste ich, jetzt bin ich gerade voll im Eltern-Ich.;-)
Mittlerweile fühle ich mich komplett
das heißt, die Geschichte der Kernfamilie nicht zu wiederholen? Welches Narra

frei von solchen Verbindungen.
Auch von meinen" Heile Welt der Rama-Familie" Vorstellungen.So war das bei uns.Und "Blut ist dicker als Wasser", was natürlich Quatsch ist.
Aber wirklich unter den Teppich gekehrt wurde wenig, dank meiner Mutter ,ging es eher locker/ lebhaft zu.
 

Erin

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  • #51
Kennt Ihr das lähmende Gefühl, dass es eine riesige Kraftanstrengung ist, "anders abzubiegen", das heißt, die Geschichte der Kernfamilie nicht zu wiederholen?
Bei mir war die Kindheit so ausgeprägt tragisch, dass ich von ganz alleine anders abgebogen bin. Die Umstände meines Vaters (von seiner Mutter verstossen, im Heim aufgewachsen anno 1940, mit 44 Suizid) dementsprechend Erziehungsmethoden mit Schlägen und Bestrafungen rechne ich der damaligen Zeit an. Wer mit Lieblosigkeit und Strafen aufgewachsen ist, konnte sich in der Zeit schwerlich ändern.
Dem kann ich mich anschliessen:
Auch stehen dir modernere Erkenntnisse und Möglichkeiten zur Verfügung als vorangegangenen Generationen. Die können sagen, sie wussten es nicht besser. Wir werden damit vor unseren Kindern nicht bestehen können.
 
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  • #52
Passt heute auch wieder gut:

 
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  • #53
Es ist sicherlich interessant, die Ursachen für bestimmte Prägungen zu suchen und zu kennen. Wenn es darum geht, Dinge künftig anders zu handhaben, als man es bisher gewohnt war, ist der Weg dahin unabhängig von der Ursache.
Das hängt wohl von der Konstellation ab. Gerade bei sehr frühen negativen Bindungserfahrungen (Traumatisierungen, Verlassenheitserfahrungen (z.B. stundenlanges Schreienlassen, was mal als Erziehung propagiert wurde), Gewalterfahrungen etc) , im vorsprachlichen Bereich, wenn das Urvertrauen beeinträchtigt ist, ist nur mit Ratio nicht viel zu bewegen. Es gibt ja sehr unterschiedliche Lebensgeschichten. Einer meiner Lehrer sagte "only what is here can heal" - je nach Richtung als Verdrängung, Abspaltung von Persönlichkeitsteilen, Schattenanteile, Seelenverluste, Täterintrojekte, Wiederholungszwang etc. bezeichnet. Unbewusste Saboteure. Da wird's ohne Therapie sehr schwer.

Die Generation unserer Eltern kannte beispielsweise noch so Themen wie Flucht, Vertreibung, Hunger, Kriegstraumata etc. nebst all dem was solche Dingen mit bzw. aus den Mitmenschen machen können.
In der Neurobiologie gibt es hierzu diverse Forschungen zur Vererbung von Traumata (transgenerationales Trauma). Ist nicht unbedingt vergessen und vorbei.
Wenn euer Vater sagt: "Eure Kindheit war schön. Merkt Euch das!" dann hängt daran vermutlich unausgesprochen "verglichen mit meiner eigenen.".
Kenne ich auch.
Auch stehen dir modernere Erkenntnisse und Möglichkeiten zur Verfügung als vorangegangenen Generationen. Die können sagen, sie wussten es nicht besser. Wir werden damit vor unseren Kindern nicht bestehen können.
Finde ich ein "unpassendes" Richterkonstrukt. Niemand ist perfekt. Good enough mothering.
Mittlerweile fühle ich mich komplett frei von solchen Verbindungen.
Haha. Ich manchmal auch. Bis wieder ein kleines Monsterchen aus der Schublade krabbelt 👺... Ich würde sagen, die Bearbeitungsstrategien werden besser. Und natürlich hilfreich, wenn der Partner auch dafür aufgeschlossen ist.
Und "Blut ist dicker als Wasser", was natürlich Quatsch ist.
Ist schon was dran, meiner Meinung nach. Je nachdem, was damit ausgedrückt wird. Unserer Herkunft können wir nicht "entfliehen".
Dagegen sein bindet auch.
 
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Claudi

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  • #54
Wie sieht sie es denn heute (sofern noch möglich)? Könnt/ konntet ihr euch als Erwachsene darüber austauschen? Welche Erfahrungen hatte sie als Kind damit? Vielleicht hat ja über die Generationen schon Bewältigung stattgefunden. 🤷‍♀️
Nein, leider haben wir das nicht mehr klären können. Es gab da ein paar Themen, die ich hätte ansprechen wollen. Die hatte ich in der Therapie rausgearbeitet. Meine Mutter lag damals im Sterben und meine Therapeutin hatte dazu geraten. Wir hatten die Sachen sogar konkret formuliert. Und dann hab ich es nicht geschafft. Meine Mutter konnte sehr grausam und unversöhnlich sein. Sie war mit ihren Geschwistern sehr zerstritten. Funkstille seit Jahrzehnten. Ich hab versucht, mich an mein Anliegen ranzurobben, indem ich sie gefragt habe, ob ich denn nicht vielleicht ihren Geschwistern bescheid sagen soll, dass sie im Sterben liegt, damit sie sich verabschieden können. Das hat sie sehr energisch und ärgerlich abgelehnt. Da hab ich gedacht, dann brauch ich mit meinem Kram, den ich noch klären will, jetzt auch nicht zu kommen. Vordergründig wollte ich sie nicht aufregen und nicht riskieren, dass wir im Streit auseinander gehen. Eigentlich hatte ich aber Angst, dass sie ganz klar auf ihrem Standpunkt beharren würde "Ja, Du warst ein hysterisches kleines Biest, und anders war Dir nicht beizukommen."
Tja, bei meinem Vater würde ich es gerne anders regeln, dass wir im Reinen sind und uns wohlwollend gegenüberstehen. Das steckt hinter "Eine gute Tochter sein wollen". Bloß, wenn das heißt, nach seinen Regeln spielen, wie er sich ein harmonisches Verhältnis vorstellt,dann geht es so nicht für mich. Ich hab so meine Zweifel, wie viel Reflexion man erwarten kann, wenn das Zur Sprache Bringen von Schwierigkeiten immer zu einem "Das hab ich nicht gesagt. Lüg hier nicht rum." führt. Wobei ich glaube, er denkt schon drüber nach. Es gibt auch Beschwichtigungsversuche, oder ein kommentarloses Sich Wieder Einkriegen. Aber Sachen im Gespräch aufarbeiten und klären geht nicht. Das ist vielleicht echt ein Thema der Generation, deren Väter im Krieg waren.
 

Megara

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  • #55
Haha. Ich manchmal auch. Bis wieder ein kleines Monsterchen aus der Schublade krabbelt 👺... Ich würde sagen, die Bearbeitungsstrategien werden besser. Und natürlich hilfreich, wenn der Partner auch dafür aufgeschlossen ist.
Naja ich fühl mich halt freier, insgesamt und überhaupt.;-)

Wie meinst du das mit dem Partner ?
Wir händeln glücklicherweise Familienbande mit ähnlicher Frequenz und Stellenwert.Meinst du das ?

Unserer Herkunft können wir nicht "entfliehen".
Dagegen sein bindet auch.
Sicher.Meiner Herkunft bin ich mir bewusst, kann mittlerweile aber auch Türen schließen, falls notwendig.Auch befreiend.
Differenzieren und ähnliche Maßstäbe wie bei freiwillig gewählten Freunden anlegen.War ein langer Weg.
 
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Julianna

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  • #56
Eigentlich hatte ich aber Angst, dass sie ganz klar auf ihrem Standpunkt beharren würde "Ja, Du warst ein hysterisches kleines Biest, und anders war Dir nicht beizukommen."
Im hohen Alter werden die Menschen entweder gütig und milde oder sie verbittern. Falls sie eine verbitterte Alte war, hätteste da auch nichts mehr erreichen können. Würde ich also abhaken diese Situation und den Ablauf. Du warst da, das reicht.

Aber grundsätzlich braucht man nicht das "Erbarmen" der Eltern. Sie können einen nicht "erlösen" und die seit Jahren oder Jahrzehnten erhoffte Bestätigung geben, vorallem, wenn sie es vorher auch nicht konnten. Und man sollte ihnen auch nicht diese Macht geben - dass sie alleiniger Entscheider darüber sind, ob man ein "guter Mensch" ist oder "liebenswert".
Ich hab so meine Zweifel, wie viel Reflexion man erwarten kann, wenn das Zur Sprache Bringen von Schwierigkeiten immer zu einem "Das hab ich nicht gesagt. Lüg hier nicht rum." führt.
Das ist halt eine (eingeübte) Abwehrreaktion. Wahrscheinlich hat er davon noch mehr auf Lager. Willst du dich wirklich durch so eine Mauer kämpfen? Wohl wissend, dass du kein einziges Steinchen davon einreißen wirst?
 
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Claudi

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  • #57
Wir hatten ähnliche Probleme mit unserer Mittleren und in deren Freundeskreis. Ganz unterschiedliche Familien, kulturelle Hintergründe, Einzelkinder, Geschwisterkinder.. und es ist zum Teil noch nicht vorbei.
Guten Morgen, Voldemort. Glaubst Du, dass hier auch eine Gruppendynamik eine Rolle spielen kann? Zum einen waren virtuelle Kontakte zu Corona Lockdown Zeiten ja die einzige Möglichkeit für soziale Kontakte. Da hab ich zum Beispiel nicht so genau auf die Einhaltung von Medienzeiten geachtet. Ging aber auch deswegen nicht, weil ich selber wegen Homeoffice mehr Stunden vor dem Schirm hing als gut waren. Man denkt vielleicht "Ah gut, schaut sie halt noch eine Folge Grays Anatomy", und die Kids sind längst bei Squid Game, Tote Mädchen lügen nicht oder in der Blue Whale Challenge. Ich hab das Gefühl, die Grenze zu selbstzerstörerischem Verhalten ist viel niedriger jetzt. Weil die soziale Isolation das Leben weniger lebenswert macht und sie mit riesigen Zukunftsängsten klarkommen müssen. Das betrifft im Grunde jeden, aber die Jugendlichen sind weniger abgeklärt/abgestumpft.
 

Claudi

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  • #58
Willst du dich wirklich durch so eine Mauer kämpfen?
Nee. Eigentlich will ich gar nicht mehr mit ihm kämpfen. Es ist bei uns bloß noch ambivalent. Ich möchte, dass es harmonisch ist und friedlich. Echt. Nicht das Rama-Familien-Ding (Megara hat das Bild glaube ich verwendet), bei dem alle am Kaffetisch sitzen und erzählen, wie alles nur toll ist und man denkt "Komisch, bei mir nicht." Und weil es zwischendurch Beruhigung und Annäherung gibt, will ich die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass es klappen könnte. Geklärt wird ja aber nix, weil Reflexion im Gespräch nicht möglich ist. Und dann tappe ich wieder in die Kleinmädchen Falle, es gibt den nächsten krassen Streit, bei dem ich mich dann wieder als unsouverän und zänkisch erlebe...
Es ist nicht so eindeutig schlimm wie bei Erin, die wirklich sagen kann: "Danke für nichts. Du konntest nichts für Deine Sozialisation, aber zerstören lasse ich mich auch nicht, ich bieg ab. Tschüß. "
Ich frag mich, warum bin oft ich schon genervt und angespannt, wenn mein Vater sich zum Besuch angekündigt hat. Oder ich war selbst ganz friedlich, er ist ne Stunde da, und ich merke wie genervt ich bin. Das war früher nicht so. In der Alleinerziehendephase nach der Trennung mit relativ kleinen Kindern hat er mir viel geholfen und auf die Kinder aufgepasst, damit ich arbeiten konnte. Dafür verdient er Dankbarkeit, aber meine Ablehnung und Genervtheit ist nunmal da.
Es fing an mit dem Rollenwechsel. Wenn man als Kind merkt, dass jetzt die Rollen getauscht werden und man sich um seine alten Eltern kümmern muss. Gut, denkt man, Elternrolle hab ich ja inzwischen gelernt an meinen Kindern. Also, Opa, sei friedlich und nimm Dich zurück, dann kommen wir hier schon klar. Wir machen und kümmern uns, Du brauchst nur hier zu sitzen und Geschichten von früher zu erzählen und dankbar deine Suppe zu löffeln. Dass mein Vater sich darauf nicht einlassen will, kann man nachvollziehen. Er sieht sich ja nicht als alten Mann. Wenn er im Schwimmbad Samstagmorgens die Schwimmzeit für Leute mit seniler Bettflucht wahrnimmt, dann erzählt er wie schön leer es da war, nur er und "die Ommas". Das sind dann Frauen in seinem Alter und minus 10-15 Jahre.
 
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LenaamSee

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  • #59
Hallo LenaamSee,
man kann manchmal nur staunen, zu was für Analysen der Nachwuchs fähig ist. Wie alt war Dein Sohn denn da? Offenbar hast Du Dich aber nicht kaputt machen lassen. Oder wieder zusammengesetzt. Resilienz entsteht auch und vor allem durch überstandene Krisen, hat mir meine große Tochter gerade aus ihrer Facharbeit vorgelesen. Man hat sie nicht einfach oder eben nicht.
Hm. Das heißt, man erwirbt sie durch das, wofür man sie eigentlich schon dringend bräuchte. Das kann schon auch hart sein erstmal.
Resilienz...Widerstandskraft, ist etwas, das ich immer wieder bewusst üben muss. In die Stille gehen, raus in die Natur.
Aus dem Nichtgeliebtwordensein meiner Kindheit resultiert mein Wunsch in einer Beziehung beschützt und gehätschelt zu werden.
Mein Sohn war schon im Erwachsenenalter, als er diese Feststellung traf und selber schon einige Beziehungen hatte.
 

tina*

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  • #60
Nein, leider haben wir das nicht mehr klären können. Es gab da ein paar Themen, die ich hätte ansprechen wollen.
Hm.

Du schriebst ja mal, dass du in Forenbeiträgen Einzelheiten deiner Situation veränderst wg. Wahrung der Anonymität, und du
schreibst auch gerne zur "Belustigung des Publikums" ausgeschmückt als "storytelling".

Dadurch kann ich deinen "Schmerzpunkt" nicht so richtig fassen.

Hier ist ja auch kein Therapieforum.

Ich schreibe daher mal meinen Eindruck, der völlig subjektiv ist. Ggf. hat das auch nichts mit deiner Situation zu tun. Wenn nix passt, einfach ignorieren.

M.E. müsstest du dich wg. Therapie entscheiden, ob der Blick in deine Kernfamilie ein Abgrund ist oder ob eigentlich alles ok war.
Sonst kannst du kein passendes Therapieziel finden. Wie man mit Therapie Zeit verbringen kann, weißt du ja schon ;).

versuche ich jetzt, für das Kind zu schaffen, was ich für mich selbst nicht geschafft habe.
Könnte schon ein Hinweis sein. Bist du es dir selbst nicht wert? "Hängst" du diese Last symbolisch dem Kind an?

Geht es um Kontrolle (des Vaters) - wieweit ist Kontrolle für dich ein Thema? Häufige Themen sind auch - Selbstwert, Liebe an Leistung koppeln, Funktionieren müssen, Schuldgefühle/Wiedergutmachung, Beschämung etc. pp.
Jeder eigene blinde Fleck wirkt sich in der "Erziehung" aus. Und das ist normal. Kein Grund, sich zu zerfleischen.
Ich gehe davon aus, dass du, genau wie deine Eltern, das Beste für deine Kinder willst.
Ob dein Verhalten ursächlich für die Probleme deines Kindes ist, würde ich in dessen Therapie belassen. Genug andere Gründe gibt es ja durch die aktuellen Umstände.
Du darfst die Therapie ruhig nur für dich machen :). Da kannst du erforschen, wie du funktionierst. Nicht, wie du andere änderst. Kein Ponyhof, Schatten integrieren.

Es gab da ein paar Themen, die ich hätte ansprechen wollen. Die hatte ich in der Therapie rausgearbeitet. Meine Mutter lag damals im Sterben und meine Therapeutin hatte dazu geraten.
Hm. Das ist Zeitpunkt zum "Klären von Themen" eher ungünstig.
Ich hab versucht, mich an mein Anliegen ranzurobben, indem ich sie gefragt habe, ob ich denn nicht vielleicht ihren Geschwistern bescheid sagen soll, dass sie im Sterben liegt, damit sie sich verabschieden können.
Inwiefern sahst du das als "an dein Anliegen ranrobben"? Falls du das obige Video von Dami Charf gesehen hast, wäre das ein
vergleichbarer Fall wie "es ist schönes Wetter - du willst doch sicher spazieren gehen"
Das hat sie sehr energisch und ärgerlich abgelehnt.
Sie ist mit ihren Geschwistern zerstritten und will sie nicht sehen. Was hat das mit dir zu tun? Warum wolltest du ihr das andienen? Könnte man auch als Kontrolle ansehen.
Vordergründig wollte ich sie nicht aufregen und nicht riskieren, dass wir im Streit auseinander gehen.
Das ist verständlich. Wie ist es denn im Nachhinein- bist du damit zufrieden?
Eigentlich hatte ich aber Angst, dass sie ganz klar auf ihrem Standpunkt beharren würde "Ja, Du warst ein hysterisches kleines Biest, und anders war Dir nicht beizukommen."
D.h. du wolltest am Totenbett über die alten Ohrfeigen sprechen? Was hattest du dir davon erwartet? Dass sie es einsieht, dass
es ein Fehler war und mit Schuldgefühlen stirbt? Oder du ihr großzügig verzeihst? (musst du natürlich nicht hier schreiben, wir
haben da oft unspezifische Wünsche..).
Erinnerung ist veränderlich, und es gibt da keine absolute bzw. gemeinsame Wahrheit. Vielleicht hätte sie sich gar nicht mehr daran erinnert. Und wenn sie es so gesagt hätte, wie du befürchtetest: was hätte es bedeutet: das es auch deine Wahrheit ist?
Du bist erwachsen und kannst eine eigene Wahrheit dazu haben (so funktionieren auch Methoden wie bspw. Imagination nach Luise Reddemann).
Tja, bei meinem Vater würde ich es gerne anders regeln, dass wir im Reinen sind und uns wohlwollend gegenüberstehen.
Auch verständlich. Darüber hast du aber keine Kontrolle.
Ich hab so meine Zweifel, wie viel Reflexion man erwarten kann, wenn das Zur Sprache Bringen von Schwierigkeiten immer zu einem "Das hab ich nicht gesagt. Lüg hier nicht rum." führt.
Warum willst du denn "alte" Schwierigkeiten überhaupt zur Sprache bringen? Kannst du das nicht innerlich "ad acta" legen? Geht's da noch um "Rechthaben"?
Und dann tappe ich wieder in die Kleinmädchen Falle, es gibt den nächsten krassen Streit, bei dem ich mich dann wieder als unsouverän und zänkisch erlebe...
Das wäre z.B. ein mögliches Therapiethema. Die individuellen Zusammenhänge erkennen.
In der Alleinerziehendephase nach der Trennung mit relativ kleinen Kindern hat er mir viel geholfen und auf die Kinder aufgepasst, damit ich arbeiten konnte. Dafür verdient er Dankbarkeit,
Also als du keine Wahl hattest, hast du ihm deine Kinder anvertraut. Aber selbst hältst du ihn für keinen guten Vater? Das wäre ambivalent.
Also, Opa, sei friedlich und nimm Dich zurück, dann kommen wir hier schon klar. (...). Dass mein Vater sich darauf nicht einlassen will, kann man nachvollziehen.
Ja, wäre auch ziemlich übergriffig.

Soweit mein Senf. Ohne Gewähr 🙂.
 
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