tina*

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  • #61
Naja ich fühl mich halt freier, insgesamt und überhaupt.;-)
Ich meine die Unterscheidung zwischen "frei als eigene Wahl" und "frei als Gegenkonzept" ;).
Wir händeln glücklicherweise Familienbande mit ähnlicher Frequenz und Stellenwert.Meinst du das ?
Nein. Dass er sich auch seiner "Baustellen" bewusst ist und das nicht unser Leben bestimmt. Gemeinsam lachen befreit.
Jemand, der mit allem fertig ist, ist nix für mich 😊.
 
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Mentalista

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  • #62
Resilienz...Widerstandskraft, ist etwas, das ich immer wieder bewusst üben muss. In die Stille gehen, raus in die Natur.
Aus dem Nichtgeliebtwordensein meiner Kindheit resultiert mein Wunsch in einer Beziehung beschützt und gehätschelt zu werden.
Mein Sohn war schon im Erwachsenenalter, als er diese Feststellung traf und selber schon einige Beziehungen hatte.
Bist du Hochsensibel?:)
 

Megara

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  • #63
Ich meine die Unterscheidung zwischen "frei als eigene Wahl" und "frei als Gegenkonzept" ;).

Nein. Dass er sich auch seiner "Baustellen" bewusst ist und das nicht unser Leben bestimmt. Gemeinsam lachen befreit.
Jemand, der mit allem fertig ist, ist nix für mich 😊.
Wenn man in reiferen Jahren zusammen kommt ,ist es wirklich entscheidend, wie ähnlich beide mit ihren Baustellen umgehen.Die Lebensrucksäcke sind ja sehr gut gefüllt.Zum Glück bestehen bei uns bezüglich Verarbeitung( Kindheit, Ehen),gemeinsamer Neuanfang, Verhältnis zur Familie große Übereinstimmungen.
Für uns ist nichts fertig und alles im Fluss. Wir brauchen auch beide eher wenig Sicherheiten ( endgültiger Lebensmittelpunkt z.B.)
 

Claudi

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  • #64
Hallo tina*, dann markiere ich heute mal den Punkt "We are united in our differences". Für mich passt das meiste was Du schreibst, und lässt sich gut mit dem, was ich dazu geschrieben habe integrieren. Dass wir unterschiedlich ticken, wissen wir ja auch schon länger. Auch nur meine Meinung, wenn ich komplett daneben liege, bitte genauso einfach ignorieren: Ich denke, Du bist der geradlinige Typ, der eher genervt davon ist, wenn es nicht stetig, fokussiert und konsequent voran geht. Ist doch super, wenn Du das für Dich umsetzen kannst. Schleifen drehen, zwei Schritte vor und einen zurück ist nicht so Deins und macht Dich ungeduldig, ist meine Wahrnehmung. Ich denke, ich brauch die Umwege und die längere Zeit. Und ja, klar gibt es bei mir Ambivalenz und Zwiespalt. Ich gratuliere Dir, wenn Du das nicht hast und damit Deinen Weg gefunden hast.
 
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Claudi

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  • #65
Wenn man in reiferen Jahren zusammen kommt ,ist es wirklich entscheidend, wie ähnlich beide mit ihren Baustellen umgehen.Die Lebensrucksäcke sind ja sehr gut gefüllt.Zum Glück bestehen bei uns bezüglich Verarbeitung( Kindheit, Ehen),gemeinsamer Neuanfang, Verhältnis zur Familie große Übereinstimmungen.
Für uns ist nichts fertig und alles im Fluss. Wir brauchen auch beide eher wenig Sicherheiten ( endgültiger Lebensmittelpunkt z.B.)
Das hört sich sehr gut an. Da ich vorher eher distanzierte und narzisstische Parner hatte, bin ich ganz froh, dass mein jetziger Partner andere Baustellen hat. Das gibt keinen Raum für Co-Narzissmus. Der Hauptunterschied, warum ich diese Beziehung als sehr anders empfinde, ist dass wir gut reden können und das auch viel tun. Der Mann und die Beziehung sind so weit jenseits meines früheren Beuteschemas, dass es mehrere Jahre gedauert hat, bis ich mich richtig darauf einlassen konnte. Bis ich gemerkt habe, dass es mir sehr gut tut, so zu leben. Und ihm auch.
 
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  • #66
@Claudi
Dein Vater ist doch schon so zwischen 70 und 80. Dir ist es wichtig, seine verbleibende Lebenszeit harmonisch und ohne Streit zu gestalten.
Widerstand erzeugt doch nur wieder Widerstand.
Deshalb vielleicht selber mal einen anderen gütigen großzügigen Blickwinkel einnehmen. Ihn sein lassen, so wie er ist, die eigene Genervtheit in Güte transformieren. Das nimmt Druck raus, eventuell wirst Du nicht gleich eine Veränderung bemerken, denn er ist eben ein schwieriger alter Mensch.
Aber für Dich könnte es sich leichter anfühlen. Und aufarbeiten in einer Therapie kann man auch alleine. Dafür braucht es den anderen nicht unbedingt.
 
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Claudi

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  • #67
aber ich hoffe Du verstehst den Unterschied zwischen Muster weitergeben und Krankheit.
Hallo chrissi22,
ja, ich denke schon. Bei der Ursachenforschung wird in beide Richtungen geschaut. Im Moment belastet mich, dass wir (die Eltern mit den Ärzten zusammen) nicht dahinter kommen, was der Grund für die Depression ist. Im Therapiegespräch wurde erwartungsgemäß gefragt, ob es depressive Erkrankungen bei uns in der Familie gibt. Mir fiel ein "verwandtes" und ein "angeheiratetes" Beispiel ein. Meine Tochter ergänzte dann "Naja, und Du, Mama. Nach der Trennung." Das hat mich überrascht, dass sie das so benannt hat, denn diagnostiziert worden ist das nicht. Ich war eben über Jahre nach der Trennung sehr traurig und hab auf eigene Kosten Therapie gemacht. Beim Arzt war ich nie wegen der Heulerei, ich hab ja auch weiter funktioniert. Einmal, ganz am Anfang, hab ich versucht, mich selbst einzuweisen. Da bin ich mit einem Heulkrampf in die Notaufnahme vom nächsten Krankenhaus, direkt von der Arbeit, ich hatte einen Vortrag vor Studenten gehalten. Die haben mich da gleich wieder weggeschickt, ich solle zur Uniklinik, da gäbe es Fachleute für sowas, die Straßenbahn vor dem Haus würde dorthin fahren und dann müsse ich mich einfach mal weiter durchfragen. Da bin ich dann lieber wieder nach Hause gefahren.
Am Ende traf auf mich so ungefähr die Faustregel zu "Die Verarbeitung der Beziehung dauert halb so lang wie die Beziehung." Also waren das round about sieben Jahre, in denen ich jeden Tag geheult habe. So wie andere zwischendurch eine rauchen müssen, das war in der täglichen Routine. Zwischendurch war gut, auch lustig, und wir haben ganz schöne Urlaube gemacht zum Beispiel. Sieben Jahre. Das ist für meine Tochter beinahe ihr halbes Leben.
 
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  • #68
@Claudi
Hast du schon mal daran gedacht, dass deine Tochter dir vielleicht nicht sagen kann, was sie belastet oder stresst, weil sie sich Sorgen macht, dass du dann wieder sieben Jahre heulen würdest?
 
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  • #69
Und noch etwas, meine Intuition sagt mir, dass es da noch ein Thema geben könnte: Vielleicht magst du mal darüber nachsinnen, ob es eine Verbindung geben könnte zwischen der Aussage deines Vaters, dass deine Kindheit schön war (resp. deiner Reaktion als Kind auf diese Haltung deines Vaters, die vermutlich schon damals spürbar war: was hat die dadurch ausgelöste Atmosphäre mit dir gemacht, wie hast du dich gefühlt, wie hast du reagiert, dich gegenüber deinem Vater und den anderen Familienmitgliedern/gegen aussen verhalten?) und deinem heutigen Umgang mit deinem Partner/gegenüber deiner Tochter? Gibt es da einen Zusammenhang oder gar eine Parallele?
 
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Claudi

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  • #70
@Claudi
Hast du schon mal daran gedacht, dass deine Tochter dir vielleicht nicht sagen kann, was sie belastet oder stresst, weil sie sich Sorgen macht, dass du dann wieder sieben Jahre heulen würdest?
Touché. Da kann ich nicht dran vorbeisehen, die Möglichkeit ist absolut gegeben. Das beschäftigt mich, und ich habe das Thema ihr gegenüber auch schon angesprochen. Wir sind damit aber noch nicht durch. Ich habe ihr zur Verfügung gestellt (Therapeuten-Sprech, hab ich gerade da in der Klinik gelernt), dass mir bewusst war, was für eine Belastung meine Traurigkeit für Sie als Kind war. Und dass sie jetzt das Recht hat, sich mir genauso zuzumuten, so 5-10 Jahre lang. Dazu bin ich da, als ihre Mama, und dazu lade ich sie jetzt ein. (... und es wäre mir eine Ehre und eine Erleichterung, wenn ich mich revanchieren könnte dafür, dass die Kids für mich da waren damals. Das aber nur im Subtext, das hab ich ihr nicht so gesagt). Sie war erstaunlich abgeklärt in der Situation und meinte "Mama, du warst traumatisiert und konntest nicht anders, du hast Dein bestes versucht."
 

Voldemort

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  • #72
Guten Morgen, Voldemort. Glaubst Du, dass hier auch eine Gruppendynamik eine Rolle spielen kann? Zum einen waren virtuelle Kontakte zu Corona Lockdown Zeiten ja die einzige Möglichkeit für soziale Kontakte. Da hab ich zum Beispiel nicht so genau auf die Einhaltung von Medienzeiten geachtet. Ging aber auch deswegen nicht, weil ich selber wegen Homeoffice mehr Stunden vor dem Schirm hing als gut waren. Man denkt vielleicht "Ah gut, schaut sie halt noch eine Folge Grays Anatomy", und die Kids sind längst bei Squid Game, Tote Mädchen lügen nicht oder in der Blue Whale Challenge. Ich hab das Gefühl, die Grenze zu selbstzerstörerischem Verhalten ist viel niedriger jetzt. Weil die soziale Isolation das Leben weniger lebenswert macht und sie mit riesigen Zukunftsängsten klarkommen müssen. Das betrifft im Grunde jeden, aber die Jugendlichen sind weniger abgeklärt/abgestumpft.
Gruppendynamik würde ich es nicht nennen, zumindest nicht, wenn es zu selbstverletzendem Verhalten geht. Ob die Grenze heute niedriger ist oder heute mehr darüber gesprochen wird, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall war diese Zeit gerade für Kinder eine riesen Scheisse.
 
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Deleted member 28021

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  • #73
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Claudi

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  • #74
Das ist auch ein Punkt, klar. Da kann man auch endlos drüber grübeln, was könnte das Kind noch in so eine langanhaltende Verzweiflung treiben. Mein Vater vermutet schlimme Ursachen im Außen, vor allem im Internet, das ja sowieso des Teufels ist. Oder Bedrohungen in der Schule. Drogen und sonstiges Suchtverhalten mag er nicht einbeziehen, zu wenig Fremdverschulden. Und das kann ja alles sein. Wir kommen nicht dahinter, solange mein Kind nicht redet. Und das Handy zu kontrollieren, scheidet für mich nach wie vor aus. Was wir in der Zwischenzeit ja schon mal machen könnten, wäre innerhalb der Familie jeder nach seinen möglichen Anteilen zu forschen. Was ich gerade versuche. Bei den anderen stößt das auf sehr unterschiedliches Echo. Meine große Tochter und mein Lebensgefährte haben von selbst Gespräche der "Glaubst Du, dies oder jenes was ich gemacht/gesagt/unterlassen habe, könnte was damit zutun haben"-Kategorie initiiert. Mein Vater steht auf dem Standpunkt, bei ihm ist alles in Ordnung gewesen, immer. Der Kindsvater sagt nichts dazu, der stellt die Frage nur allgemein "Was ist bloß los mit dem Kind?". Sonst müssten wir ja auch die Situation während und nach der Scheidung thematisieren, das macht er nicht mit.
 
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mitzi

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  • #75
Das ist auch ein Punkt, klar. Da kann man auch endlos drüber grübeln, was könnte das Kind noch in so eine langanhaltende Verzweiflung treiben.

Ich würde auf die Suche nach Themen in der Familie oder Schule gehen, für die es nicht ausreichenden Worte gab. Ev. Vorfälle, die untergingen oder Vorfälle, die für alle zu schmerzhaft waren, um sie miteinander zu besprechen. Denn Krisen lösen Krisen aus, kann auch bloß eine Veränderung ein Stressauslöser sein und darauf hin kommen alte z.B. stressige Träume wieder in die unbewusste Erinnerung und lösen schwierige Gefühle aus. Offensiv eine Mitschuld bei Familienangehörigen zu suchen, das ist nicht ratsam. Dann ziehen sich Kinder eher zurück, als dass sie nach Worten für ihre Gefühle suchen.
Viel Glück!
 
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Voldemort

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  • #76
Ach doch.... auch da gibt es Gruppendynamik.... nur sind die, die damit kokettieren tendenziel eher weniger die, die damit (also eher ohne das) ein echtes Problem haben.
Wer damit kokettiert hat mE dann schon irgendein Problem, oder sehe ich das falsch. Und wenn es nur gefühltes „nicht gesehen werden“ in der Familie oder sozialem Umfeld ist. Oder ich kenne nur die Fälle, die mit richtigen Problemen Hand in Hand gehen. Ein Teufelskreis ist das.
 

Voldemort

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  • #77
Das ist auch ein Punkt, klar. Da kann man auch endlos drüber grübeln, was könnte das Kind noch in so eine langanhaltende Verzweiflung treiben. Mein Vater vermutet schlimme Ursachen im Außen, vor allem im Internet, das ja sowieso des Teufels ist. Oder Bedrohungen in der Schule. Drogen und sonstiges Suchtverhalten mag er nicht einbeziehen, zu wenig Fremdverschulden. Und das kann ja alles sein. Wir kommen nicht dahinter, solange mein Kind nicht redet. Und das Handy zu kontrollieren, scheidet für mich nach wie vor aus. Was wir in der Zwischenzeit ja schon mal machen könnten, wäre innerhalb der Familie jeder nach seinen möglichen Anteilen zu forschen. Was ich gerade versuche. Bei den anderen stößt das auf sehr unterschiedliches Echo. Meine große Tochter und mein Lebensgefährte haben von selbst Gespräche der "Glaubst Du, dies oder jenes was ich gemacht/gesagt/unterlassen habe, könnte was damit zutun haben"-Kategorie initiiert. Mein Vater steht auf dem Standpunkt, bei ihm ist alles in Ordnung gewesen, immer. Der Kindsvater sagt nichts dazu, der stellt die Frage nur allgemein "Was ist bloß los mit dem Kind?". Sonst müssten wir ja auch die Situation während und nach der Scheidung thematisieren, das macht er nicht mit.
Also bei selbstverletzendem Verhalten solltest du schon alle Register ziehen, incl schauen, was da im Internet läuft. Und mit wem. Und du brauchst auch keine Mitarbeit von außen für dein Kind, sondern dein Kind muss Unterstützung bekommen, Strategien zu entwickeln, wie es mit den verschiedenen Problemen umgeht. Das geht seltenst durch familiäre Gespräche, egal wie gut und ehrlich die gemeint sind. Und es sollte eine richtige Diagnostik gemacht werden. Nicht jede Traurigkeit ist eine Depression und umgekehrt fällt eine Depression in solchen Zeiten auch nicht sofort auf, weil es so viele Probleme für die Kinder gab und gibt, und dadurch Ängste usw. Da gibt es völlig verschiedene Ansätze. Mit der Therapeutin gibt es ganz andere Gespräche als mit der Familie. Und es braucht Zeit. Wir haben damals nicht lange gefackelt und das Kind sofort in einer Klinik in Behandlung gegeben, ambulant, diagnostisch und nicht selber Ursachenforschung betrieben. Das hält nur auf und ganz nebenbei, es ist auch für Eltern gut, wenn sie begleitet werden, da sind so viele Fehler, die man, teils aus Sorge, machen kann.

Edit, hatte überlesen, dass ihr schon in Behandlung seit.
 
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  • #78
Hallo chrissi22,
ja, ich denke schon. Bei der Ursachenforschung wird in beide Richtungen geschaut. Im Moment belastet mich, dass wir (die Eltern mit den Ärzten zusammen) nicht dahinter kommen, was der Grund für die Depression ist. Im Therapiegespräch wurde erwartungsgemäß gefragt, ob es depressive Erkrankungen bei uns in der Familie gibt. Mir fiel ein "verwandtes" und ein "angeheiratetes" Beispiel ein. Meine Tochter ergänzte dann "Naja, und Du, Mama. Nach der Trennung." Das hat mich überrascht, dass sie das so benannt hat, denn diagnostiziert worden ist das nicht. Ich war eben über Jahre nach der Trennung sehr traurig und hab auf eigene Kosten Therapie gemacht. Beim Arzt war ich nie wegen der Heulerei, ich hab ja auch weiter funktioniert. Einmal, ganz am Anfang, hab ich versucht, mich selbst einzuweisen. Da bin ich mit einem Heulkrampf in die Notaufnahme vom nächsten Krankenhaus, direkt von der Arbeit, ich hatte einen Vortrag vor Studenten gehalten. Die haben mich da gleich wieder weggeschickt, ich solle zur Uniklinik, da gäbe es Fachleute für sowas, die Straßenbahn vor dem Haus würde dorthin fahren und dann müsse ich mich einfach mal weiter durchfragen. Da bin ich dann lieber wieder nach Hause gefahren.
Am Ende traf auf mich so ungefähr die Faustregel zu "Die Verarbeitung der Beziehung dauert halb so lang wie die Beziehung." Also waren das round about sieben Jahre, in denen ich jeden Tag geheult habe. So wie andere zwischendurch eine rauchen müssen, das war in der täglichen Routine. Zwischendurch war gut, auch lustig, und wir haben ganz schöne Urlaube gemacht zum Beispiel. Sieben Jahre. Das ist für meine Tochter beinahe ihr halbes Leben.
Bist du bei den Gesprächen immer dabei oder hat deine Tochter auch Einzelgespräche? 7 Jahre Trauer um eine Beziehung, das klingt schon heftig, wenn ein Kind da mit durch muss.
 
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  • #80
Wir haben damals nicht lange gefackelt und das Kind sofort in einer Klinik in Behandlung gegeben, ambulant, diagnostisch und nicht selber Ursachenforschung betrieben.
Bin ich froh, vor ca 30 Jahren Kind und ca 20 Jahren Teenie gewesen zu sein, als noch nicht so ein Bohai gemacht wurde.
Mit der Klassifikation und drn dazugehörigen Mühlen wäre mein Leben ganz anders verlaufen und ich bin mir zu 100% sicher, es wäre deutlich(!) schlechter gewesen.
 
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  • #81
Bin ich froh, vor ca 30 Jahren Kind und ca 20 Jahren Teenie gewesen zu sein, als noch nicht so ein Bohai gemacht wurde.
Mit der Klassifikation und drn dazugehörigen Mühlen wäre mein Leben ganz anders verlaufen und ich bin mir zu 100% sicher, es wäre deutlich(!) schlechter gewesen.
Vielleicht haben wir es falsch gemacht, vielleicht war es genau das Richtige. Nichts tun, wenn ein Kind sichtbar leidet und in eine extrem ungute Spirale trudelt, war für uns keine Option. Und gerade in so einer Zeit, wenn die Kinder zwangsisoliert waren und niemanden außer den Eltern zum Probleme lösen hatten, waren wir (alle)irgendwann hilflos. Kann man natürlich als Bohei bezeichnen, hier hat es geholfen. Ich wär aber etwas vorsichtiger mit meinen jetzigen Erfahrungen, zu glauben, dass sich alles von selber löst. Vor allem, wenn man nicht weiß, was bei anderen los war.
 
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Megara

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  • #82
Vielleicht haben wir es falsch gemacht, vielleicht war es genau das Richtige. Nichts tun, wenn ein Kind sichtbar leidet und in eine extrem ungute Spirale trudelt, war für uns keine Option. Und gerade in so einer Zeit, wenn die Kinder zwangsisoliert waren und niemanden außer den Eltern zum Probleme lösen hatten, waren wir (alle)irgendwann hilflos. Kann man natürlich als Bohei bezeichnen, hier hat es geholfen. Ich wär aber etwas vorsichtiger mit meinen jetzigen Erfahrungen, zu glauben, dass sich alles von selber löst. Vor allem, wenn man nicht weiß, was bei anderen los war.
Um welches Verhalten geht es jetzt konkret? Selbstverletzendes Verhalten oder selbstzerstörerisches?
Mit ersterem konnte ich bei drei Jugendlichen die ( unbehandelte ) Entwicklung verfolgen.Bei allen hat es sich nicht von selbst gelöst. Es wurde schlimmer. Einzelheiten möchte ich hier nicht nennen.
Zwei mussten länger stationär behandelt werden.Dann lieber zeitnah fachliche Hilfe holen.
 

tina*

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  • #83
@Claudi
Danke für dein Feedback.
Ich bin weder genervt noch ungeduldig bei Trauma, da ich weiß, dass das kein Spaziergang ist.
Manchmal kann mich nerven, wenn es meiner Meinung nach auf die leichte Schulter genommen wird. Kann leicht passieren bei gut trainiertem "Überlebensanteil". Das ist dann klarerweise mein Trigger.
We are different in our unities.
 
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Claudi

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  • #84
Bist du bei den Gesprächen immer dabei oder hat deine Tochter auch Einzelgespräche? 7 Jahre Trauer um eine Beziehung, das klingt schon heftig, wenn ein Kind da mit durch muss.
Nein, es gibt alle 14 Tage ein Elterngespräch regulär, kann von ihren Therapeuten bei Bedarf auf jede Woche eins erhöht werden. Ansonsten ist sie ja in der Klinik stationär, was da therapeutisch läuft, erfahren wir nicht im Detail.
Übrigens war das mit der Trauer nicht nur für die Kinder heftig, ich hab mir das ja auch nicht so ausgesucht. Hätte mir auch was Angenehmeres vorstellen können für alle. Ist ja auch nicht so, das ich nicht an einer besseren Welt für uns gearbeitet hätte. Ich war die einzige Vollzeit arbeitende AE Mutter in meinem Umfeld und hab so das Haus halten können und den Lebensstandard fast auch. Ich hab immer mit den Kindern Urlaub gemacht, mein Ex brauchte sie da aus den Füßen für sein neues Leben. Ich hab denen immer zu verstehen gegeben, dass ich sie mir sehr gewünscht hatte und sie das beste in meinem Leben sind. Und meinst Du, ich hätte nicht die Elternratgeber gelesen, dass es besser ist, wenn man sich möglichst bald einkriegt und nach Möglichkeit eine schöne Patchwork Familie wird? Das hätte ich auch sehr schön gefunden. So kam die Parship Anmeldung zustande. Patchwork Versuch gab's dann auch, Strohfeuermann, ging grandios schief. Ich hab 5 Jahre mit 5h Schlaf pro Nacht gelebt, dann ging das nicht mehr. Es war wie es war. Die Kids und ich, wir haben öfter über das Lied "Wenn sie tanzt" gesprochen. Über die Zeile "Sie fragt sich, wie's gewesen wär, ohne Kinder." Meine Kids wollten wissen, ob ich mich das auch manchmal fragen würde. Und ich konnte aus vollem Herzen sagen: Nein, nie. Und wenn ich mich das jetzt, wo ihr mich fragt, fragen müsste, würde die Antwort immer lauten: Ja, ein totaler Mist wäre das. Vollkommen inakzeptabel.
Ist ja nicht so, dass wir keinen Spaß gehabt hätten. Und Du musst Dir das auch nicht so vorstellen, dass ich heulend im Bett gelegen hätte und nix mehr gemacht hätte. Wie gesagt, das war eher in den Alltag integriert. Wenn die Kinder im Bett waren, bei laufender Spül- oder Waschmaschine, vor dem laufenden Fernseher...Man entwickelt halt so Strategien um klarzukommen.
 

Claudi

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  • #86
Bin ich froh, vor ca 30 Jahren Kind und ca 20 Jahren Teenie gewesen zu sein, als noch nicht so ein Bohai gemacht wurde.
Mit der Klassifikation und drn dazugehörigen Mühlen wäre mein Leben ganz anders verlaufen und ich bin mir zu 100% sicher, es wäre deutlich(!) schlechter gewesen.
Das ist auch so ein Punkt. Ich hab mein Kind in die Geschlossene gebracht, zum Glück mit ihrem Einverständnis oder auf ihren unübersehbaren Hilferuf hin. Wir haben vorher darüber gesprochen, dass sie jetzt eine Tasche packt, weil es sein kann, dass sie sie da behalten. War ok für sie. Aber für mich war schwer auszuhalten, zu sehen, wie sie dort dann in sich zusammengefallen ist und es ihr erstmal immer schlechter ging. Eine Optimistin hätte vermutlich gedacht "Boah, gerade noch rechtzeitig reagiert...", eine Pessimistin " Oh Mann, was hab ich dem Kind da nur angetan..." (Jetzt wird es in der Klapsmühle zermahlen). Die Zweifel, ob man richtig gehandelt hat, wird einem keiner nehmen können, höchstens das Kind selbst. Es war bei uns aber ähnlich wie bei Voldemort, sie zu Hause zu behalten und irgendwie hoffen, dass es besser wird, wäre fahrlässig und hochriskant gewesen.
 
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Apollonia

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  • #87
Übrigens war das mit der Trauer nicht nur für die Kinder heftig, ich hab mir das ja auch nicht so ausgesucht.
Doch, hast Du. Spätestens nach einem Jahr heftiger Trauer hättest Du dir professionelle Hilfe suchen müssen. Nach zwei Jahren, spätestens. Nach drei wäre es überfällig gewesen. Mir scheint, du konntest Deine Rolle als Mutter nicht richtig wahrnehmen, deine Kinder hätten Dich gebraucht. Die Auseinandersetzung damit wird sicherlich sehr hart werden, wenn Du sie annimmst.
Sich sieben Jahren den Kinder damit auszusetzen, finde ich sehr egozentrisch und ehrlich gesagt auch sehr unreif.
Es ist Zeit erwachsen zu werden.
 

tina*

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  • #90
Oh Mann, was hab ich dem Kind da nur angetan..." (Jetzt wird es in der Klapsmühle zermahlen). Die Zweifel, ob man richtig gehandelt hat, wird einem keiner nehmen können, höchstens das Kind selbst. Es war bei uns aber ähnlich wie bei Voldemort, sie zu Hause zu behalten und irgendwie hoffen, dass es besser wird, wäre fahrlässig und hochriskant gewesen.
So schnell wird niemand zermahlen. Umgekehrt würdest du dir wahrscheinlich noch mehr Vorwürfe machen.
Das wird sicher wieder, alles Gute 🍀.

Ich würde dich trotzdem dazu ermutigen, unabhängig davon, für dich eine (körperorientierte) Traumatherapie anzugehen.

Eine (seriöse) Familienaufstellung könnte ggf. auch hilfreich sein, wenn du was damit anfangen kannst (falls ja, auf jeden Fall erstmal als Stellvertreterin, bevor du dein Anliegen aufstellst).
 
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