maxim

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  • #1

Wer kennt ROCD

Heute bin ich mehr oder weniger zufällig auf das Kürzel ROCD aufmerksam geworden. Es bedeutet "Relationship Obsessive Compulsive Disorder" und meint, dass ein Partner von Zweifeln an der eigenen Liebe und Zuneigung zum anderen befallen wird. Diese äußern sich u.a. dadurch, dass der zweifelnde Partner ständig darüber nachdenkt, ob der andere bspw. äußerlich perfekt ist oder er analysiert, ob der Charakter des anderen auch wirklich zu ihm passt oder ob er nicht zu langweilig ist. Gleichfalls wird die Frage aufgeworfen, ob der andere ausreichend klug und intellektuell für einen selbst ist, oder ob es da draußen nicht doch noch einen Menschen gibt, der besser zu einem passt.
Solche Menschen haben auch häufig das bohrende Gefühl, vielleicht doch die falsche Wahl getroffen zu haben, sie überprüfen akribisch, ob sie ihren Partner vermissen würden, wenn sie ihn längere Zeit nicht sehen könnten. Sie vergleichen ihre Beziehung ständig mit früheren Beziehungen.

Ich hatte ja unter dem Titel "Parship funktioniert" berichtet, dass ich eine ganz tolle Frau kennengelernt habe und die begonnene Beziehung perfekt schien. Nun ist etwas mehr als ein Jahr vorbei und ich muss sagen, dass ich mich selbst auch schon dabei ertappt habe, darüber nachzudenken, ob diese Beziehung dasjenige ist, was ich wirklich will.

Vielleicht geht es jedem Menschen so, vielleicht ist das aber auch einem Optimierungswahn geschuldet, der keine Fehler und Schwächen des anderen toleriert.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht und wie sind diese ausgegangen?
 
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*Andrea*

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  • #2
Denkst du denn, wie die Erfahrungen anderer, die Zweifel hatten, ausgingen, hat einen Einfluss darauf, wie es bei dir ausgehen wird?
 
A

*Andrea*

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  • #3
An deiner Stelle würde ich versuchen, meinen eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Motiven auf die Schliche zu kommen.

Weshalb kommen die Zweifel? Hat sich etwas verändert? In der Beziehung? In der Partnerin? In dir selbst? In eine gute oder schlechte Richtung?

Warum wünschst du dir etwas anderes? Welcher Antrieb steckt hinter dem Veränderungswunsch? Beispielsweise wenn du dir wünschst, dass du eine intelligente Partnerin hast, tust du dies ganz ehrlich etwa deshalb, weil du denkst, du hättest etwas Besseres verdient, das würde dir ein höheres Ansehen ermöglichen, oder sind es eher Zweifel, dass deine Liebe stark genug ist?

Was ist es genau, das du dir wünschst? Ist es eine allzu klare Vorstellung von einer Partnerin? Ein höherer Status? Mehr Abenteuer? Inspiration? Besserer Sex? Hochstehendere Unterhaltung?

Oder ist es eher eine tiefere Liebe?

Vielleicht helfen dir solche Fragen, dir klarer zu werden, ob die Zweifel ein egoistisches Motiv haben, ein immer mehr Wollen, ein nie zufrieden Sein, oder ob sie eher mehr Ehrlichkeit mit dir selbst (und auch deiner Partnerin) bedeuten.
Sollte Letzteres der Fall sein, dann kannst du dich fragen, ob du da die Bedingung setzen möchtest, dass du etwas "Besseres" erreichen kannst, oder ob du einfach zu dir und deinen Gefühlen stehen möchtest.
 
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Aladin

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  • #4
@maxim Wenn wir Menschen am Oberarm einen Knopf hätten, mit dem wir kurz und schmerzlos unser Leben beenden könnten, gäbe es uns längst nicht mehr. Das Gleiche gilt für eine Partnerschaft. Berichte über Leute, die Jahrzehnte lang zusammen geblieben sind, berichten übereinstimmend, dass das für jeden ein dauernder Kampf mit sich selbst gewesen ist.
 
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Marlene

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  • #5
@maxim Wenn wir Menschen am Oberarm einen Knopf hätten, mit dem wir kurz und schmerzlos unser Leben beenden könnten, gäbe es uns längst nicht mehr. Das Gleiche gilt für eine Partnerschaft. Berichte über Leute, die Jahrzehnte lang zusammen geblieben sind, berichten übereinstimmend, dass das für jeden ein dauernder Kampf mit sich selbst gewesen ist.
Da bin ich mir nicht so sicher. Erst in der unmittelbaren Konfrontation wächst plötzlich der Lebenswille und die Kreativität wird herausgefordert. Beim Thema "Tod" wie auch bei "Trennung", die ja auch Tod bedeutet. Das ist ja gerade die Kunst: im Bewußtsein der Vergänglichkeit dasjenige hochzuhalten, was wichtig ist und Halt gibt.
Außer, es ist alles vergeblich. Dann würde ich in einer Beziehung aber auch nicht bleiben. Wenn man bleibt, muss ja irgendetwas halten.
 
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fleurdelis*

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  • #6
Heute bin ich mehr oder weniger zufällig auf das Kürzel ROCD aufmerksam geworden. Es bedeutet "Relationship Obsessive Compulsive Disorder" und meint, dass ein Partner von Zweifeln an der eigenen Liebe und Zuneigung zum anderen befallen wird.

Interessant, dass es immer mehr "moderne" Bezeichnungen gibt .... weil:

Solche Menschen haben auch häufig das bohrende Gefühl, vielleicht doch die falsche Wahl getroffen zu haben, sie überprüfen akribisch, ob sie ihren Partner vermissen würden, wenn sie ihn längere Zeit nicht sehen könnten. Sie vergleichen ihre Beziehung ständig mit früheren Beziehungen.

Nun ist etwas mehr als ein Jahr vorbei und ich muss sagen, dass ich mich selbst auch schon dabei ertappt habe, darüber nachzudenken, ob diese Beziehung dasjenige ist, was ich wirklich will.

könnte man das nicht mit "Zweifel" einfacher benennen? Zweifel, die sich im Laufe der Zeit entwickeln ... Eine Beziehung einzugehen bedeutet doch nicht: Poff ... Peng ... Beziehung und gut is .... sondern eher ein Beginn den anderen näher kennenzulernen .... kann ja sein, dass sich dabei heraus stellt, dass beim näheren kennen lernen, Dinge ans Tageslicht kommen, mit denen man sich nicht anfreunden kann, und somit stille Zweifel im Hinterkopf anklopfen ....

Vielleicht geht es jedem Menschen so, vielleicht ist das aber auch einem Optimierungswahn geschuldet, der keine Fehler und Schwächen des anderen toleriert.​

Das ist ein interessanter Gedanke .... den ich nicht so ganz nachvollziehen kann ... und entscheidend finde ich dabei: der Mensch, die Persönlichkeit, für die man sich für einen intensiveren Kontakt entschieden hat, ist doch das was ansprechend war. Niemand ist ohne Fehler und ohne Schwächen, wenn man diese nicht tolerieren kann, oder will, dann ist der Zug bereits in Position aufzubrechen .... Weil, wenn man einen Menschen mag, weil er so ist, wie er ist, und man egal welche Macken er hat, genau diesen Menschen noch näher kennen lernen will, brauchts keine Optimierung. Weil, was will an der Persönlichkeit optimiert werden? Es wäre dann, nur ein Optimieren zu eigenen Gunsten ... mit Veränderung der Persönlichkeit? .... Aber dann, passt ja was nicht, dann dienen die Macken in willkommener Weise als Grund ..... Das wäre meine Erfahrung, bzw. meine Meinung.
 
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Lilly22

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  • #7
Hallo maxim,

...
Ich hatte ja unter dem Titel "Parship funktioniert" berichtet, dass ich eine ganz tolle Frau kennengelernt habe und die begonnene Beziehung perfekt schien. Nun ist etwas mehr als ein Jahr vorbei und ich muss sagen, dass ich mich selbst auch schon dabei ertappt habe, darüber nachzudenken, ob diese Beziehung dasjenige ist, was ich wirklich will...

ich glaube nicht, dass das, was andere tun oder nicht tun, dein (euer) Problem ist, sondern dass es ein ganz normales Resumee eurer Kennenlernphase ist und es allein hiernach nicht unbedingt mehr zum Besten zu sein scheint. Das kann um so schneller bzw. heftiger passieren, um so mehr man sein Gegenüber anfangs bzw. während der Verliebtheitsphase idealisiert oder auf diesen vor allem eigene Bedürfnisse und Wünsche projeziert, anstatt die wirkliche Person dahinter, die eben alles andere als ein "idealer" Mensch usw. ist, sieht. Auch hier treten ähnliche Phasen auf, wie bei einer Trauer / Trennung, also u.a. das Nichtwahrhabenwollen usw. usf., weshalb solche "Wahrnehmungen" durchaus auch gern auf die lange Bank geschoben werden können, bevor man sich denen wirklich annimmt und ggf. Konsequenzen daraus zieht.

Eine Beziehung mit seinem Partner zu führen heißt im Grunde genommen nichts anderes, als jeden Tag (Moment) zumindest unbewusst eine bejahende Entscheidung für diese (und den Partner) zu treffen. Soweit dies geschieht, ist die Beziehung im Lot. Auch gelegentliche Zweifel gehören m.E.n. im gesunden Maß mit dazu. Denn, so lange diese keine Überhand nehmen, zeigen sie lediglich, dass man selbstreflektiert eben auch die "Schattenseiten" seines Partners registriert oder sonstiger Veränderungen usw. und diese akzeptieren kann oder eben nicht.
Man ist dann also nicht nur blind weiterhin beim Partner, weil man einmal vor x-Zeiten eine Entscheidung für diesen getroffen hat, sondern, weil man wirklich noch bei diesem ist, sich mit diesem wohl fühlt usw. usf.

Hinzu kommt eben, dass in der Verliebtheitsphase die Welt rosarot gemalt wird und man hier eher alltagsbestimmenden "Reibungen" lieber noch aus den Weg geht, weil das Gefühl der Verliebtheit/ Harmonie viel zu schön ist
usw. usf. Man neigt also dazu, u.a. z.B. eher Kompromisse einzugehen, die einen auf lange Sicht aber durchaus wirklich stören oder gar einengen, verbiegen könnten. Irgendwann holt einen aber der Alltag usw. ein und man muss seine Beziehung hier erproben. Sind wir wirklich ein so gutes Team oder eher doch nicht usw. usf.?

Ich bin der Überzeugung, dass ein Partner einem immer auch einen Spiegel vorhält. Nicht nur über eigene Defizite (z.B. die Unfähigkeit für sich selbst gesunde Grenzen stecken zu können oder zu eng gesetzte Grenzen mal zu erweitern, um insgesamt gesund toleranter sein zu können), sondern u.a. auch über eigene Bedürfnisse/ Wünsche, also all jene Sachen, bei denen man sich so u.a. selbst zu sehr vernachlässigt oder man gar selbst noch zu ängstlich/ blind usw. unterwegs ist.
Es kann also durchaus auch eine positive Herausforderung darstellen, sich diesen "Baustellen" widmen zu wollen, um sich darüber selbst weiter zu entwickeln.
 
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*Andrea*

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  • #8
Auch über diese Motive könnte man versuchen, sich klarer zu werden. Liebe wäre wohl ein tragfähiger Grund, um zu bleiben. Aber es könnte ganz viel anderes dahinter stecken, z.B. nicht scheitern wollen, niemandem weh tun wollen, nicht zugeben können, dass man sich geirrt hat, Angst vor dem Alleinsein, Bequemlichkeit, ein Idealbild von seiner Liebesfähigkeit aufrecht erhalten wollen, finanzielle Überlegungen, die gemeinsamen Pläne nicht loslassen können, Aufwand und Frust neuer Partnersuche scheuen etc.
 
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maxim

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  • #9
Denkst du denn, wie die Erfahrungen anderer, die Zweifel hatten, ausgingen, hat einen Einfluss darauf, wie es bei dir ausgehen wird?
Liebe *Andrea*, ja, vielleicht. Mich würde interessieren, wie es anderen erging die auch solche Zweifel hatten.
Letztlich ist vieles eine Momentaufnahme. Nach mehr als einem Jahr ist jedenfalls die Verliebtheitsphase vorbei. Und dann ist es möglicherweise auch normal, die Beziehung realistisch zu sehen. Das bedingt auch, dass man die Schwächen des anderen nicht nur kennen gelernt hat, sondern auch zu akzeptieren lernt.
Heute beispielsweise geht es mir wieder so, dass ich sie sehr vermisse. Ich kann wieder ihre positiven Seiten sehen und schätzen. Ich bin ja leider auch nicht perfekt. Sie hatte mir zu Weihnachten die "Anti Klugscheißeritis Pillen" geschenkt, gegen permanente Besserwisserei und ich ihr die "Anti Zicken Dragees" gegen andauernden Zickenalarm. Wir beide konnten darüber lachen. Das ist vielleicht die beste Ausgangsbasis.
 
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  • #11
Die Kurzfassung des Ganzen nannte man früher "Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen".
 
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fafner

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  • #12
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AlexBerlin

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  • #13
Nein.
Dann müßtest Du da halt ran. Falls Du jemals noch eine Beziehung über die Verliebtheitsphase hinaus führen möchtest. Der Schlüssel liegt bei Dir.
Glaube ich auch.
Liebe, wie ich sie verstehe, kann sich nur entwickeln, wenn ich mich irgendwann für den anderen entscheide. Dann wird sie inniger und der Partner immer weniger austauschbar, denke ich.
Dass man in den ersten Monaten Eigenschaften am Partner entdeckt, die dazu führen, dass man die Beziehung beendet, kann passieren, glaube ich. Auch dass eine Partnerschaft durch Schicksalsschläge wie Krankheit oder berufliche Probleme in Schieflage gerät, kann sein.
Wenn jedoch eigentlich alles unverändert ist, aber einer den Eindruck bekommt, dass „das Gras auf der anderen Seite der Wiese grüner ist“, dann ist das, glaube ich, eine Charaktereigenschaft, die nicht nur bezogen auf eine Partnerschaft schwierig ist.
Wer so tickt, rennt immer rastlos irgendwelchen Idealen hinterher, aber kommt nicht an.
 
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maxim

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  • #14
Dann müßtest Du da halt ran. Falls Du jemals noch eine Beziehung über die Verliebtheitsphase hinaus führen möchtest. Der Schlüssel liegt bei Dir.

Ja, das ist richtig. Ich will die Beziehung auch nicht aufgeben. Mir ging es ja nur darum, ob andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wie sie damit umgegangen sind und welche Einstellung sie dazu haben..
 
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fleurdelis*

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  • #15
Ich bin der Überzeugung, dass ein Partner einem immer auch einen Spiegel vorhält. Nicht nur über eigene Defizite (z.B. die Unfähigkeit für sich selbst gesunde Grenzen stecken zu können oder zu eng gesetzte Grenzen mal zu erweitern, um insgesamt gesund toleranter sein zu können), sondern u.a. auch über eigene Bedürfnisse/ Wünsche, also all jene Sachen, bei denen man sich so u.a. selbst zu sehr vernachlässigt oder man gar selbst noch zu ängstlich/ blind usw. unterwegs ist..

Nein, ein Partner hält einem keinen Spiegel vor, diese Behauptung lehnt sich doch gerne an inzwischen esoterische Begrifflichkeiten. Eine Spiegelung mag vorkommen, aber sie definiert sich anders. Sie kann in einer Analyse einen Hinweis auf ein gewohntes Verhaltensmuster in Bezug auf tief verwurzelte Ursachen geben. Das geht in den psychologischen Bereich. Ansonsten geben diese Spiegelbehauptungen dem Gegenüber und aussenstehenden Ratgebern einen hervorragenden Grund für Killerphrasen.
 
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  • #16
Irgendjemand hat mal nen klugen Satz gesagt: " Beziehungen scheitern fast immer daran, dass Männer davon ausgehen, dass alles so bleibt wie es ist, und Frauen davon ausgehen, "dass er sich schon noch ändern wird" - und beide damit völlig falsch liegen."

Zu einer Beziehung gehört immer auch Veränderung. Die Frage ist halt, wie stark die Veränderungen sind und ob beide Partner mit der Veränderung klarkommen. Beispiel: Einer der Partner entdeckt ein neues Hobby. Vermutlich wird kaum jemand ein Problem damit haben, wenn der andere also einen Abend in der Woche Sportart xy betreibt. Bei zwei Terminen ist vermutlich auch noch alles ok. Aber was ist, wenn es auf einmal um 3, 4 oder 5 Abende geht und die gemeinsame Zeit immer weniger wird? Ist dann derjenige im Recht, der sagt "ich möchte in dieser Sportart etwas erreichen, also muss ich auch die Zeit investieren!" oder derjenige, der sagt "ich habe dich unter ganz anderen Voraussetzungen kennengelernt, ich will das so nicht!"?

Um mal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Vergleiche doch einfach mal das, was du an deiner Freundin liebst, mit dem, was dich gerade stört. Überwiegt da tatsächlich das Störende, solltest du versuchen, in kleinen Schritten daran zu arbeiten. Das geht dann nur mit Einfühlungsvermögen und den drei wichtigen Elementen: Reden. Reden. Reden.

Alles Gute!
 
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Marlene

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  • #17
Hallo, lieber @maxim,
habe jetzt mal gelesen, was Du in "Parship funktioniert" geschrieben hast. Da sprichst Du von "tiefer Zuneigung" und "Liebe" nach einem dreiviertel Jahr und ich gehe jetzt mal davon aus, dass das aufrichtig und wahrhaftig gemeint war. Hört sich auch so an. An Deiner Stelle würde ich mir mal überlegen, woraus diese tiefen Gefühle entstammen, sind sie doch das beste Fundament für eine Beziehung. Und dann sich den Zweifel anschauen, worauf er sich genau bezieht.
Also, ich kenne schon auch immer mal wiederkehrende Zweifel in einer Beziehung, meistens dann, wenn man meint, den Anderen zu kennen und er reagiert ganz anders auf eine Art und Weise, mit der man nicht klarkommt. Plötzlich erscheint er in einem anderen Licht und diese Frage beschäftigt: tut er jetzt nur so oder ist er wirklich so.:) Da hilft nur miteinander reden und die Bereitschaft, sich immer wieder im Kennenlernen neu zu entdecken. Manches relativiert sich dann. Und, was auch eine gute Erkenntnis ist: mein Partner ist nicht ich, gerade im Anderssein gibt es die Bereicherung und darin liegt auch das Begehren. Trotz dieser Sehnsucht nach Verschmelzung, die einer Liebesbeziehung auch innewohnt.
 
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Lilly22

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  • #18
Nein, ein Partner hält einem keinen Spiegel vor, diese Behauptung lehnt sich doch gerne an inzwischen esoterische Begrifflichkeiten. Eine Spiegelung mag vorkommen, aber sie definiert sich anders. Sie kann in einer Analyse einen Hinweis auf ein gewohntes Verhaltensmuster in Bezug auf tief verwurzelte Ursachen geben. Das geht in den psychologischen Bereich. Ansonsten geben diese Spiegelbehauptungen dem Gegenüber und aussenstehenden Ratgebern einen hervorragenden Grund für Killerphrasen.

Nein, der vorgehaltene Spiegel ist Ausdruck der eigenen Psyche. Und da geht es nicht nur um Verhaltensmuster, sondern um die gesamte Persönlichkeit. Das hat rein gar nichts mit Esoterik zu tun, selbst, wenn diese Sparte das gern für sich zu vermarkten sucht und die "Killerphrasen" sind jetzt mal "geschenkt". Als Mensch habe ich nun mal meine spezielle Psyche und aus dieser heraus betrachte ich die Welt und gehe auf diese zu oder verschließe, sabotiere mich usw. usf. Und, weil ich so bin, treffe ich vornehmlich auf Situationen, Menschen usw. die dazu passen oder die mich z.B. entsprechend "herausfordern" (wobei es sogar egal ist, ob ich mir dem bewusst bin- und es angehen kann oder ob ich mir dem unbewusst bin- und mich der "Opferrolle" hingebe oder diese pflege usw. usf.) und sehr wohl suche ich mir das (unbewusst -leider oft-) in jenem Moment selbst mit aus.

Schiebst du diese "Spiegelbilder" auf Randgebiete, wie die verpönte Esoterik (= Killerphrase), gestehst du dem Menschen nicht zu, es selbst in der Hand zu haben, wie sich -trotz z.B. Schicksalschlägen usw.- sein Leben weiter entwickeln wird, weil alles "Zauber" sein müsste.

Und was heißt "Verhaltensmuster" für dich? Es ist im Ergebnis meine Persönlichkeitsprägung und was ich daraus mache, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten, wie ich mit meinen Mitmenschen nicht umgehe, sondern auch, wie ich sie sehe(n) kann oder eben nicht.

Habe ich also z.B. nie gelernt oder das Gefühl entwickeln dürfen, selbst auch wichtig zu sein und z.B. "Grenzen setzen zu dürfen", werde ich mich (unbewusst) eher denjenigen Menschen vertraut fühlen, die mir genau das früher schon so "eintrichterten". Eben, weil ich nichts "besseres" (anderes) kenne. Dann geht es nicht nur um "Verhaltensmuster", sondern um Prägungen, die mein gesamtes soziales Umfeld prägen und eben oft auch mein Berufsleben usw. usf. Ich treffe dann also auf Menschen, die mir in dem Sinn den Spiegel vorhalten, als dass sie mich permanent an meine "Grenzen" führen bzw. an meine Defizite (Baustellen) usw. erinnern. Aber nicht nur im negativen Sinn, sondern natürlich auch im positiven Sinn.

Wilfried Wieck sagte u.a. immer so schön zutreffend, dass jeder Mann sich genau die Frau suchen würde, die er gerade braucht (u.a. in "Männer lassen lieben. Die Sucht des Mannes nach der Frau.").
Damit sagt er nichts anders aus, als dass man eben den Spiegel "sucht" und auch "vorgehalten" bekommt. Ich sehe das nicht als "negativ" besetzt, sondern als Möglichkeit, über sich selbst heraus wachsen zu können.

Wenn mir Menschen z.B. ständig "respektlos" begegnen, kann ich mich darüber "ständig" (sinnlos) aufregen. Ich kann mich aber genau so gut fragen, ob das ggf. etwas mit meinen eigenen Defiziten zu tun hat und wie ich das z.B. selbst ändern könnte. Das heißt natürlich nicht, dass es auch weiterhin mal respeklose Begegnungen geben wird, die ich nicht verhindern kann und wo ich einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen bin. Aber viel öfter steckt hier eben das "eigene Problem" dahinter sich a.) gesund abgrenzen zu können und b.) sich gesund durchsetzen zu können oder c.) eine fremde Aktion eben gerade nicht persönlich zu nehmen und somit drüber stehen zu können usw. usf.

Ein Freund von mir sagt, seine Ex- Freundin habe ihn jahrelang tyrannisiert. Ja, sie stand "stellvertretend" für die Elternkonflikte, denen er eher versuchte durch übermäßiges Harmoniestreben aus dem Weg zu gehen. Um so mehr Harmonie er anstrebte, um so weniger Respekt pflegte sie vor ihm und um so mehr entpuppte sie sich als "sein Vater". Mag er jetzt gern auf die "Frauenwelt" schieben und weiterhin für absolute Harmonie in allen Lebenslagen plädieren. Hätte er aber auch als seinen "Spiegel" sehen und angehen können. Vorallem dann, wenn er mit seinem "Verhalten" (in dem Punkt magst du dann Recht haben) auch in sämtlichen anderen Situationen scheitert (Kinder, dem Hund, dem Chef bzw. der Chefin, dem Freudeskreis usw. usf.). Aber, ist seine Ex z.B. grundsätzlich deshalb wirklich eine Furie oder war sie es nur im Spiegelbild zu ihm so, weil sie ihn einfach nie greifen hat können und darüber verzweifelte? Tanzen die Kinder, der Hund, der Chef usw. ihm nur auf der Nase herum, weil sie allesamt die Bösen sind oder vielleicht doch nur deshalb, weil sie ihn "spiegeln"? Seine Harmoniesucht, verbunden damit, allen bloß immer alles irgendwie recht machen zu wollen und bloß nirgendswo anzuecken, weil, das könnte als furchtbar empfunden werden?

Sind Menschen im übrigen frei von ihrer Persönlichkeit, ihrem Persönlichkeitstyp und dem, auf was sie deshalb vornehmlich treffen?

Wenn man auf Menschen trifft, die wie auch immer, Emotionen in einem selbst auslösen, dann hat man in diesem Moment garantiert einen Spiegel vor sich. Und das hat rein gar nichts mit Esoterik zu tun. Emotionalität ist immer eine höchstpersönliche Angelegenheit. Auch, deren Abwesenheit.

Sobald ich also irgendeine Emotion mit einem Menschen verknüpfe, sei es, weil ich mich freue oder es mich verärgert, ist das etwas, das (zunächst einmal nur) aus mir heraus erwachsen kann und wo das Gegenüber mich lediglich "triggert" (als Spiegel dient).

So, bin leider auf dem Sprung.
 
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luckilucki

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  • #19
Irgendjemand hat mal nen klugen Satz gesagt: " Beziehungen scheitern fast immer daran, dass Männer davon ausgehen, dass alles so bleibt wie es ist, und Frauen davon ausgehen, "dass er sich schon noch ändern wird" - und beide damit völlig falsch liegen."

Zu einer Beziehung gehört immer auch Veränderung. Die Frage ist halt, wie stark die Veränderungen sind und ob beide Partner mit der Veränderung klarkommen. Beispiel: Einer der Partner entdeckt ein neues Hobby. Vermutlich wird kaum jemand ein Problem damit haben, wenn der andere also einen Abend in der Woche Sportart xy betreibt. Bei zwei Terminen ist vermutlich auch noch alles ok. Aber was ist, wenn es auf einmal um 3, 4 oder 5 Abende geht und die gemeinsame Zeit immer weniger wird? Ist dann derjenige im Recht, der sagt "ich möchte in dieser Sportart etwas erreichen, also muss ich auch die Zeit investieren!" oder derjenige, der sagt "ich habe dich unter ganz anderen Voraussetzungen kennengelernt, ich will das so nicht!"?

Um mal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Vergleiche doch einfach mal das, was du an deiner Freundin liebst, mit dem, was dich gerade stört. Überwiegt da tatsächlich das Störende, solltest du versuchen, in kleinen Schritten daran zu arbeiten. Das geht dann nur mit Einfühlungsvermögen und den drei wichtigen Elementen: Reden. Reden. Reden.

Alles Gute!
Es gibt doch für jeden Scheiss ein tolles englisches Wort oder derer 3.
 
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fleurdelis*

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  • #23
Wenn man auf Menschen trifft, die wie auch immer, Emotionen in einem selbst auslösen, dann hat man in diesem Moment garantiert einen Spiegel vor sich.

Du darfst diese Garantie gerne für dich übernehmen, und sie in dein Lebensmotto integrieren, und dies auch den Menschen die dir in deinem Leben begegnen, unterstellen. Ein Glück gibt es die Freiheit, die Garantien die andere für sich maßgeblich halten, nicht zu übernehmen. Ich gehe mit deiner Aussage nicht mit.
 
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  • #24
@Lilly22
Mich würde interessieren, wie Du mit den Rückmeldungen und der Kritik umgehst?
Du gibst ja hier ausführlich Ratschläge, aber wie sieht es denn bei Dir aus, wenn Du das so liest? Irgendwie scheinst Du das auszublenden; was ich bemerkenswert finde.
 
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Victor

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  • #25
Der sicherste Weg, festzustellen ob man glücklich ist, ist es mal ein Blick auf die Alternativen zu werfen.

Wenn der Spielraum nach unten grösser ist als nach oben, dann darfst Du Dich glücklich schätzen.
 
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Dora

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  • #26
@Luzi99 weil sie ein gesundes Selbstbewusstsein hat und es doch völlig egal ist was andere denken. Schlimmer finde ich die Mitläufer ,die nur das schreiben um der Masse zu gefallen.Sie geht schnurstracks ihren Weg ,einfach klasse:)
 

Julianna

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  • #27

Nun ist etwas mehr als ein Jahr vorbei und ich muss sagen, dass ich mich selbst auch schon dabei ertappt habe, darüber nachzudenken, ob diese Beziehung dasjenige ist, was ich wirklich will.

Liebe ist eine Entscheidung.

Es gibt Menschen, die entscheidungsstark sind, und Menschen, die entscheidungsschwach sind. Gilt nicht nur für die Liebe/Partnerschaft sondern auch für andere Bereiche im Leben.

Menschen, die sich grundsätzlich mit Entscheidungen schwer tun (also diese immer wieder anzweifeln), werden wohl auch ihre Beziehung öfter zweifeln.

Entscheidungsstark zu sein bedeutet eine Entscheidung zu treffen und diese nicht wieder anzuzweifeln bzw. beizubehalten.

Du musst halt wissen, was du willst.
Dich entscheiden. Und es dann bei dieser Entscheidung belassen. ;)
 
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IMHO

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  • #29
Mann-O-Mann, "die" finden aber auch für jede erdenkliche Entwicklung der heutigen Zeit irgendeinen (möglichst englischen Begriff) mit entsprechender "hipper" Abkürzung.

Für mich steht das Ganze als Synonym für
- sich nicht festlegen/einlassen wollen
- immer noch weiter nach "was besseres" suchen
- keine Anstrengungen zum Erhalt einer Beziehung unternehmen wollen
- möglichst wenig Kompromisse eingehen wollen
- innerhalb der eigenen Komfortzone bleiben wollen

kurzum:
"Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich wirklich will".
 

maxim

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  • #30
Du musst halt wissen, was du willst.
Dich entscheiden. Und es dann bei dieser Entscheidung belassen.

Ich habe mich entschieden - für sie!
Ich glaube, der Anflug von Zweifel war nur der klare Beweis, dass die Zeit der Verliebtheit mit ihrer Verblendung vorbei ist. Ihre Schwächen zu akzeptieren fällt mir - denke ich - leicht, da ich sie wirklich liebe.
 
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